Wenn das mal nicht nach Zwangsstörung klingt, ein komplettes Jahr im Voraus zu planen…! Ein leichtes OCD kann ich zwar tatsächlich nicht leugnen, aber so lange im Vorfeld zu planen ist gar nicht so uncool wie es klingt ist es nicht.

Es hat tatsächlich sogar mehrere Vorteile. Der Wunsch nach weniger Chaos und etwas mehr Struktur ist glaub ich vor allem unter Müttern keine Seltenheit. So viele Ideen, Projekte, Job, Mann, Kinder, Haushalt wollen unter einen Hut gebracht werden und bestenfalls hat man es am Ende des Tages gerade mal eben geschafft, alle am Leben zu halten. Der Haushalt sieht aus wie Kriegsschauplatz und alles, was man möchte, ist schlafen. Am besten bis Neujahr 2042.

Produktivität gleich null.

Das gilt es zu bekämpfen und mehr Struktur ins Chaos zu bringen. Ich plane also tatsächlich das komplette Jahr Ende Dezember / Anfang Januar vor. Zum einen soll diese Planerei  mir Stress abnehmen und das Leben einfacher machen und zum anderen dafür sorgen, dass Pläne nicht nur fiktiv bleiben, sondern auch tatsächlich umgesetzt werden. In meinem Kopf singen eh ständig 10 Stmmen gleichzeitig, meist noch in 5 Sprachen, wenn es also einen Bereich gibt, den ich strukturieren kann und mir das dabei hilft, im Alltag produktiver zu sein, dann versuche ich es zumindest.

Es ist nicht so, als ob ich jetzt gänzlich zwangsgestört wäre und unsere komplette Zeit bis Dezember 18 ins kleinste Detail geplant und durchorganisiert hätte, dass das völlig illusorisch ist, ist mir absolut klar. Aber es gab in den letzten Jahren einfach Sachen, die mich unfassbar genervt haben und die möchte ich aus der Welt schaffen:

  • Vergessene Geburtstage
  • Vergessene lange Wochenenden
  • Weihnachten kommt immer so plötzlich
  • Hatten wir nicht neulich Hochzeitstag?
  • wie, du musst morgen arbeiten? Wir wollten doch….

Ihr merkt… die Klassiker.

Ohne Planung sieht es bei uns regelmäßig so aus, dass man Donnerstags auf den Kalender schaut, feststellt „oh, Freitag oder Montag sind ja Feiertag?!“, hektisch überlegt, was man denn tolles aus der freien Zeit machen kann, vielleicht die ein oder anderen Freunde anruft, die allerdings alle schon verplant sind, und am Ende des langen Wochenendes waren wir maximal einmal um den Block spazieren, zwei Stunden auf dem Spielplatz und gammelten den Rest der Zeit zu Hause rum und waren frustriert, dass wir nichts unternommen haben.

Ein weiterer Klassiker sind Termine, zu denen man etwas vorbereiten muss. Jedes Jahr treffen wir uns an einem Wochenende mit Freunden auf einer Grillgütte fern jeglicher Zivilisation. Wir bringen also unser Essen selbst mit. Sprich, zusätzlich zum Packen muss ich auch noch Essen vorbereiten. Wann fällt mir das in der Regel ein? Genau, circa 3 Stunden bevor wir fahren sollen. Der Mann hat natürlich 24 Std. Dienst und ist nicht zuhause, denn nur so hat er am Folgetag frei und dann sitze ich da mit einem Kleinkind, das sich nicht länger als 40 Sekunden alleine beschäftigt, ohne dass ich danach 5 Stunden grundsanieren muss,  muss Essen vorbereiten, packen, das Kind vor sich selbst beschützen, und das bestenfalls so, dass wir pünktlich fahren können und ohne den Verstand zu verlieren. Denn was bringt mir ein Wochenende Auszeit wenn ich schon maximal genervt ankomme?

Da kommt jetzt die Jahresplanung ins Spiel.

Ich persönlich bin ein großer Fan meines Bullet Journals. Ohne Stift und Papier geht bei mir nix. Bzw. was ich handschriftlich nicht eingetragen habe, ist nicht im Kopf verankert. Inzwischen bin ich aber auch an einem Punkt, wo es ohne Handy nicht mehr geht, so dass ich beides parallel nutze.

Das Handy habe ich eigentlich immer dabei. Selbst auf dem Klo. Oder gerade auf dem Klo, denn seien wir ehrlich, ich habe ein Kleinkind. Das Klo ist der einzige Ort ist, wo ich wenigstens den Hauch einer Chance habe, in Ruhe einen Satz zu Ende lesen oder tippen zu können.

Auf jeden Fall ist das Handy größere Teile der Zeit dabei. Das wiederum macht es sehr leicht, Geistesblitze festzuhalten, leichter auf jeden Fall als das BuJo zu holen, das prinzipiell in dem Raum liegt, in dem ich gerade nicht bin.

Für meine Terminplanung am Handy nutze ich inzwischen ausschließlich den Google Kalender. Ja, ich weiß, Datenkrake und böse und so, aber hey, ich bin pragmatisch.

  1. Er ist umsonst
  2. Er ist extrem praktisch, weil ich gleich mehrere Kalender unter einem Account führen kann und ggfs. aus- oder einblenden kann.
  3. Mein Mann kann meinen Kalender einsehen und ich seinen, wenn wir es so einstellen.
  4. Ich kann von überall drauf zugreifen.
  5. Es hat auch bei Google kein Mensch etwas davon, zu wissen, wann ich beim Zahnarzt war oder einen Kuchen gebacken habe. Früher hat Frau Scholz von oben drüber Buch geführt, wann ich Rolladen runtergelassen habe und Männerbesuch empfing, heute macht’s halt Google. Hat damals schon keinen interessiert, heute auch nicht.
  6. Die Wahrscheinlichkeit, dass Google seine Dienste einstellt, ist recht gering und selbst wenn, kann man die Daten recht schnell mit einem kleinen Zusatztool mit Outlook sychronisieren,

Welche Termine plane ich vor und trage sie ein?

Geburtstage, Jahrestage

Das ist eine Arbeit, die ich nur einmal erledigen muss. Geburtstage und Jahrestage haben ja den Vorteil, jedes Jahr am gleichen Tag stattzufinden und dann reicht es, den Termin auf jährliche Wiederholung einzustellen.

Wenn ich vorhabe, jemanden zum Geburtstag etwas zu schenken oder eine Karte zu schicken, trage ich zudem eine Erinnerung für eine Woche vorher ein, denn so eine Karte will ja erst noch gebastelt und auch verschickt werden.

Regelmäßige Termine, Arzttermine, Date nights….

Das Kind hat immer Mittwochs um 16 Uhr Fußball? Trage es ein. Du gehst regelmäßig alle 6 Wochen zum Friseur? Trage es ein. „Aber das vergesse ich nicht, das ist ja jede Woche so“, ja mag sein, aber es wird der Tag kommen, an dem tatsächlich Mittwoch ist, in deinem Kopf aber erst Dienstag oder bereits Donnerstag und es dann doch ganz hilfreich ist, wenn das Handy dir anzeigt, dass du im falschen Film bist.

Arzttermine sind auch so eine Sache. Man macht sie ein dreiviertel Jahr vorher und dann ist man sich am Tag selbst nicht mehr sicher, war es jetzt 10 Uhr oder doch 10.30, oder doch vielleicht erst die Woche drauf? Der Zettel der Sprechstundenhilfe ist aber weg und anrufen und nachfragen ist auch peinlich. Blöd. Hätte man es nur eingetragen. Sofort.

Damit ich wenigstens eine grobe Orientierung habe und um die leidigen Kontrolltermine nicht mehr zu verpassen, habe ich jedem Arzt einen Monat zugewiesen. Januar ist Augenarzt, Juni Gyn, Oktober Zahnarzt. Es kann dann schon mal sein, dass ich den Termin erst so spät mache, dass der Augenarzt im Januar nix mehr frei hat und es dann halt doch Februar wird, aber mit der Faustregel Augenarzt immer im Januar stelle ich zumindest sicher, dass ich den Zeitraum wenigstens grob einhalte und es nicht komplett verschwitze. Da fällt mir ein, ich muss beim Augenarzt anrufen…

Zu den Arztterminen gehören auch die U-Untersuchungen für die Kinder. Ich habe mir hier die empfohlenen Abstände für unseren Nachwuchs anzeigen lassen und sie in den Kalender eingetragen. Das sind zwar nur Richtwerte mit teilweise recht großen zeitlichem Rahmen, aber auch so ist sichergestellt, dass ich dran erinnert werde, einen Termin zu machen, selbst wenn unsere Kinderarztpraxis einen Erinnerungsservice anbietet.

Date Nights, Ja, auch für die sollte man sich ein Zeitfenster schaffen. Hier bewegen wir uns zwar gerade auf dem Terrain „do as I say but not as I do“ , denn seit der Nachwuchs da ist, bestehen unsere Datenights darin, kollektiv um 20.30 Uhr schlafen zu gehen, in der Hoffnung, doch irgendwann mal wieder ausgeschlafen zu sein.

Wer auch immer schlafverweigernde Kinder erfunden hat, gehört auf Lebzeit mit ihnen in einen Raum gesperrt! Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, wenn du möchtest dass es stattfindet, dann schreib es auf.

Brückentage/ Ferien / Urlaube / Kurztrips

Brückentage sind eine Super Sache, um das meiste aus seinen Urlaubstagen zu machen. Clever gelegt kann man schon mal eine komplette frei haben, obwohl mal nur 3 Tage Urlaub nehmen musste. Hierzu gibt es sogar extra Webseiten, auf denen man sich es schön veranschaulichen lassen kann, wann sich was lohnt.

Im Falle von Kindern, tragt euch ebenso die Ferien eures Bundeslandes  oder der Bundesländer, die euch betreffen ein. Das müsst ihr nicht mal händisch tun. Auf Schulferien.org könnt ihr euch den Datensatz bequem runterladen und die ical-Datei einfach nur in den Google Kalender oder Outlook importieren. Schließtage von Kindergärten, Pädagogische Tage der Schule etc.

Wenn das erledigt ist, kann es auch schon an die Urlaubsplanung gehen. Manche Urlaube sind ja von langer Hand geplant, die kann man natürlich termingenau eintragen. Wenn ihr aber  gedenkt, mal nur ein Wochenende wegzufahren, könnt ihr euch eine Markierung für mögliche Zeitfenster reservieren. Das macht die Planung auch erheblich leichter.

Fitness, Gesundheit und Sport

Auch hier verfolge ich die Strategie, wenn du möchtest, dass es stattfindet, dann schreib es auf.

Wobei ich zugegebenermaßen auch ein Held darin bin, das Aufgeschriebene komplett auszublenden. Seit circa 8 Jahren steht in meinem Kalender, dass ich Montags schwimmen geh. Nunja, sagen wir mal so…ich bin mir nicht sicher, ob mein Badeanzug überhaupt noch passt…aber immerhin werde ich regelmäßig dran erinnert, dass ich dieses Vorhaben mal hatte. Würde es da nicht stehen, wäre es gänzlich aus meinem Hirn verschwunden. So besteht zumindest noch ein Hauch einer Chance, dass ich es jemals umsetze.

Feiertage und alles, was Vorbereitung bedarf.

Da sind wir wieder bei Weihnachten kommt immer so plötzlich… Ich habe inzwischen einen Vermerk im Kalender für Ende September „Weihnachtskarten Basteln“, im November steht drin „Weihnachtsdeko“. Wenn es Tradition ist, zu Ostern mit den Kindern Eier zu bemalen, schaut in den Kalender, wo das gut hinpassen würde und tragt es ein. Ja, ich weiß, das klingt alles ganz ganz furchtbar durchorganisiert und unflexibel, aber es ist nur ein Kalender. Wenn der Tag bzw. die Woche gekommen sind und ich merke, dass das, was ich eingetragen habe so überhaupt keinen Sinn mehr ergibt, dann schiebe ich.

Aber alleine durch die Tatsache, dass ich mir vorher Gedanken gemacht habe, wann was passen würde, ist die Wahrscheinlichkeit extrem gestiegen, dass ich es umsetze. Nur als Beispiel: Weihnachtsplätzchen gab es dieses Jahr tatsächlich schon im Dezember und nicht erst zum 6. Januar. Und das trotz 3 Wochen krank.

 Arbeit

Ich trage mir tatsächlich auch Arbeitszeiten ein. Das macht für einen Selbständigen sicherlich mehr Sinn, als für jemanden, der jeden Tag Mo.-Fr. von 8 – 17 Uhr arbeitet, aber selbst wenn das meine Zeiten wären, würde ich sie eintragen. Ich bin ein graphischer Mensch. Allein zu sehen, dass diese Zeitfenster im Kalender belegt sind, macht es mir einfacher drum herum zu planen.

Man kann im übrigen Google Kalender mit jemandem teilen. Ich kann also meinen Kalender für ihn ersichtlich machen und er kann seinen für mich ersichtlich machen. Für Termine, die für uns beide relevant sind, legt man einfach den Termin an und lädt den Partner dazu ein, dann erscheint der Termin in seinem Kalender genauso wie in meinem. Praktisch, gell?

Was man auch machen könnte, sind Ziele einzutragen. Wenn ich mir vornehme, dass ich jeden Monat 100 € sparen möchte, kann ich mir das ebenso eintragen, um mich am Ende des Monats zu überprüfen, ob ich das Ziel erreicht habe. Ich persönlich mach sowas zwar lieber in meinem Bullet Journal, aber digital ist es natürlich auch machbar.

Haushalt

Wenn wir schon beim Thema Produktivität sind. Ich habe auch meinen festen Putzplan im Kalender stehen. Denn könnt ihr euch dran erinnern, wann ihr die Filter der Dunstabzugshaube gewechselt habt? Tja, ich auch nicht, aber macht nix, der Kalender sagt mir, dass ich das spätestens alle 3 Monate tun muss. Meine Lust auf einen Hausbrand, weil sich die leckere Schicht aus Fett und Staub durch hochspritzendes Fett oder offener Flamme entzündet hält sich nämlich arg in Grenzen. Aber zu meinem Plutzplan schreibe ich lieber mal einen gesonderten Beitrag. Sonst sprenge ich den Rahmen hier komplett.

Lange Rede kurzer Sinn, wenn ihr ebenso wie ich keine Lust mehr habt, ständig etwas zu vergessen oder erst kurz vor knapp an etwas Anstehendes zu denken und dann hektische rote Flecken zu bekommen, setzt euch wirklich mal für 1-2 Stunden mit Mann und Kindern zusammen und geht das komplette Jahr durch. Es klingt zwar absolut pedantisch und spaßbefreit, aber wenn man dann eh schon mal zusammensitzt, kann man ja auch gleich überlegen, welche Aktivitäten, Ausflüge oder Unternehmungen man im kommenden Jahr gemeinsam machen möchte und ggfs. auch schon schauen, wo man sie unterkriegt. So haben alle etwas davon und Spaß und Vorfreude bringt es am Ende auch noch.

Viele Grüße

Nadine

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