Fastnacht steht kurz vor der Tür und somit sind im Hause T. unweigerlich Verwuerelter oder auch letzebuerger Fueskichelcher genannt fällig. An diesem traditionellen luxemburgischen Fastnachtgebäck komme ich einfach nicht vorbei. Fueskichelcher sind für mich nicht nur pures Hüftglück sondern auch ein Stück Kindheit.

Meine Mutter hat nie wahnsinnig viel gebacken, aber diese kleinen Scheisserchen gab es zu Fastnacht eigentlich immer. Und zwar in einem Ausmaß, dass sie mein kompletter Freundeskreis ebenso dafür geliebt hat.

Nun ist es aber leider so, dass das mütterliche Rezept aus welchen Gründen auch immer verschollen ist und sie selbst seit zwei Jahren leider auch nicht mehr unter uns ist. Das macht das Backen der Teilchen für mich immer zu einer eher sentimentalen Angelegenheit. Auf der einen Seite ist da der Ehrgeiz, so lange rumzutüfteln bis ich das eigentliche Rezept endlich herausgefunden und nachgebastelt habe, auf der anderen Seite weiß ich aber auch, dass selbst wenn ich die Zutaten aufs Gramm genau treffen würde, sie trotzdem nie so schmecken werden, wie 1985 in einer 7 qm Küche.

Meiner Mutter zu Ehren also hier das Rezept, das bisher geschmacklich dem ihren am nächsten kommt:

Rezept für letzebuerger Fueskichelcher oder Verwuerelter

Für ca. 6 Personen

  • 125 g Butter
  • 125 g Zucker
  • 3 Eier
  • 125 g Sahne
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen Backpulver (es gibt auch Rezepte mit Hefe, aber ich mag die mit Backpulver lieber)
  • Ein gutes halbes Kilo Mehl.

In welcher Reihenfolge die Zutaten sinnvollerweise gemischt werden, entzieht sich meinem Kenntnisstand. Denn seit der Anschaffung meiner KitchenAid, die ich heiß und innig liebe, habe ich diese Details nie wieder beachtet. Bei mir kommt also alles zusammen in die Schüssel und das Maschinchen knetet bis der Teig eine homogene Masse ist.

Meine Mutter hat den Teig danach immer flach ausgerollt, in Streifen geschnitten, die Streifen gerollt und dann einen einfachen Knoten reingemacht. Ich spare mir diesen Zwischenschritt und nehme einfach eine walnussgrosse Portion Teig, forme daraus direkt einen Strang in den dann der Knoten reinkommt. Wenn es ganz ganz schnell gehen muss, gibt’s keine Knoten sondern Bällchen, aber auch wenn es dem Geschmack keinerlei Abbruch tut, blutet dabei mein kleines luxemburgisches Herz. Bällchen sind halt einfach Bällchen und keine Knoten und das ist einfach nicht richtig, auch wenn es dreimal so schnell geht.

Wer lieber mit frischer Hefe statt Backpulver arbeitet, nimmt einfach eine Packung Hefe, muss dann aber den Teig sinnvollerweise ein bis zweimal gehen lassen und beim Knoten keine zu grossen Portionen machen, denn in der Zeit vom Knoten bis ins Fett gehen sie gerne auch nochmal auf. Irgendwo habe ich auch noch ein Rezept mit Hefe, das gibt es dann vielleicht im nächsten Jahr.

Am besten wird das Ergebnis mit ganz frischem Fett in einer Fritteuse, die die Temperatur  um die 180 Grad halten kann. Lange Zeit musste ich die Fueskichelcher aus Ermangelung einer Fritteuse im Topf machen, aber da war die Sache mit der Temperatur ein reines Glücksspiel. Aussagen wie„ das Fett ist warm genug, wenn beim Eintauchen eines Holzlöffel Blasen am Löffel entstehen“ sind zwar ein netter Hinweis für mich, aber 3 Minuten später steigen auch noch Blasen auf und es ist dennoch schon zu heiß. Ich bevorzuge also definitiv die Fritteuse. Schon alleine wegen des Einhängekorbs.

Was man aber definitiv nicht tun sollte, egal ob Fritteuse oder Topf, ist sich sich auch nur eine Sekunde zu entfernen. Denn der Grat zwischen „noch zu weiß“ und „Mist, verbrannt“ ist auch bei absolut perfekter Temperatur ein sehr sehr schmaler.

Richtig gut sind die Fueskichelcher, wenn sie goldgelb gebacken sind. Ich kippe sie aus dem Fett unmittelbar auf ein Küchenpapier, das macht das Ganze zwar auch nicht zu einer mageren Geschichte, aber wenigstens saugt das Küchentuch ein klein bisschen was auf. Und dann kommt in noch warmen Zustand Puderzucker drüber, denn man gönnt sich ja sonst nix.

Über die Haltbarkeit kann ich leider keine Auskunftt erteilen. Sie haben den ersten Tag nämlich leider noch nie überlebt. Kalorientechnisch bewegen wir uns auf der Stufe „wir wissen beide, dass du es bereuen wirst, aber hätte der liebe Gott gewollt, dass du‘s nicht isst, hätte er es nicht so lecker gemacht“.

Und meine traditionellen Bauchschmerzen danach? Die schiebe ich einfach mal auf rohen Teig genascht und nicht etwa auf die Tatsache, dass ich nicht aufhören kann und der Verzehr der kompletten Ladung eventuell ein Garant für eine Gastritis sein könnte.

In diesem Sinne, lasst es euch schmecken!