Ich habe es ja letzte Woche bereits erwähnt, im Hause T. soll mehr Ordnung ein-, dafür mehr Schrutz ausziehen.

Die kinderlose Fraktion unter euch wird sich nun denken: alles klar, 2-3 Tage ausmisten, gut ist. Die Eltern unter euch liegen wohl eher brüllend vor Lachen auf dem Boden und fragen sich, was für ein Kraut ich wohl rauche, das mir derartig groteske Wunschdenkenvorstellungen beschert.

Nun, Pfefferminztee. Das Kraut ist Pfefferminztee. Ich rauch’s zwar nicht, aber das ist tatsächlich das einzige Kraut, das ich konsumiere.

Es ist wahrhaftig ein völlig illusorisches Unterfangen mit Kleinkind(ern) einen Haushalt sauber und in Schuss zu halten. Hier fliegt ein Socken rum, da ein Schnuller, hier ein Stück angebissene Brezel, da noch ein Stück angebissene Brezel und noch eins und noch eins. Wo kommen nur all diese angelullten alten Brezeln her??? Und in jeder noch so kleinen Ritze stecken Lego-, Duplo- oder Puzzlesteine. Und Sand. Überall ist Sand. Ü.B.E.R.A.L.L.!!

Manche nennen es Kinderschuhe, ich nenne es den kleinsten Sandstrand der Welt. Ach, und habe ich erwähnt, dass alles klebt? Selbst wenn es tagelang ausschließlich Nudeln und Wasser gäbe, würde bis zur magischen 120-Zentimeter-Grenze alles pappen. So weit reichen die Patschgriffel nämlich inzwischen.

Ich hätte es ja in diesem Leben nicht mehr für möglich gehalten, aber ich bin tatsächlich an dem Punkt angekommen, an dem ich die konstante Unordnung und den Dreck nicht mehr ertrage. Denn seien wir ehrlich: Rumliegender Kram ist wie so eine bakterielle Seuche. Ein Teil ist händelbar, aber in Nullkommanix verdoppelt und verzehnfacht es sich und schwupps ist die Epidemie nicht mehr zu kontrollieren. Und genau dann kündigt sich Besuch an! Jaiks. Schnappatmung. Nun gibt es nur zwei Alternativen: lügen und dem Kind das Norovirus, Streptokokken oder Hand-Mund-Fuß antexten, in der Hoffnung, das der Besuch angewidert absagt oder aber Muttern mimt den Bruce Banner und mutiert zum Hulk.

Es ist letzteres. Es ist immer letzteres, denn so praktisch ansteckende Kinder als Ausrede auch sein mögen: wenn du diejenige bist, die die Kotze aufwischen muss, beschwörst du es nicht auch noch herauf. Also bleibt nur Hulk, um 150 qm in unter einer Stunde unter Kontrolle zu bringen.

Das soll anders werden. Versteht mich nicht falsch, hier soll kein Monkscher Reinraum entstehen. Mein Anspruch an Sauberkeit ist eher der, dass der Nachwuchs Freunde zum Spielen mit herbringen kann, ohne dass ich die Eltern vorab zum aktuellen Stand der empfohlenen Schutzimpfungen befragen muss, bzw. panisch in irgendwelchen entlegenen Ecken festgetretene Gurkenscheiben von den Fliesen kratze, denn immer genau dann, hat sich das Kind unbemerkt überlegt, das Frühstück lieber heimlich zu verstecken, statt es zu essen und man möchte dem Besuch ja auch jegliche Form von Spontanherpes ersparen.

Ja, es ist mitunter abenteuerlich, was man wo findet. Und vor allem wann?!
Ich sag nur Lyoner (für Saarlandexterne: Fleischwurst) in der Ladeklappe des Playmobil Müllautos… Gott sei Dank nicht in der Woche mit 37 Grad.

Und ja, eigentlich wird bei uns am Tisch gegessen und nicht im Rest des Hauses und trotzdem findet man Zeug in den abenteuerlichsten Ecken.
Nun ist so ein komplettes Haus einfach nicht an einem Tag zu schaffen. Zumindest nicht, wenn man noch andere Sachen zu tun hat und in keiner symbiotischen Beziehung zum Putzlappen lebt.

Es müssen also Etappensiege her. Ein Putzplan sozusagen. Gibt es bestimmt online schon zu Hauf, dachte ich mir, also habe ich mich ins Pinterest Loch gewagt und bin auf diverse Empfehlungen gestoßen.

Fast alle haben eins gemein: „nur 5-10 Minuten täglich und ihr Haus wird strahlend sauber!“

Einen hysterischen Lachanfall später stellt sich mir die Frage: 5-10 Minuten?? Pro Raum? Pro Quadratmeter? Pro was? Und wer hat dieses Zeitfenster festgelegt? Jemand, der in einem 16 qm Studentenwohnheimzimmer wohnt und die Spüle vom Bett aus reinigen kann?? Anders kann ich mir nicht erklären, wie man täglich in 5-10 Minuten z.B. eine Küche samt Esszimmer aufräumen soll, und zwar inklusive Geschirrspüler ein- und ausräumen und Rest per Hand wegspülen?! In 5-10 Minuten habe ich noch nicht mal alle benutzen Teller, Tassen und Löffel in diesem Haus gefunden, ja ihr ahnt es, die Erwachsenen dieses Hauses halten sich nur bedingt an die Regel „am Tisch essen“. Achso wir verfügen nicht über einen Ost- und Westflügel und sind – auch wenn es sich gerade anders anhören mag – keine Messis.

Aber nun gut, man möchte ja nicht zu kleinlich sein. Eine gewisse Routine schadet einfach nicht, damit die Spontan-Kamikazeputzaktionen kurz vor Eintreffen des Besuchs auf ein Minimum reduziert werden.

Ich habe mir also tatsächlich diverse Putzpläne heruntergeladen, mehr oder minder alle verworfen, letztlich doch einen eigenen aufgesetzt und ziehe es jetzt tatsächlich seit ein paar Wochen durch: der jeweils auf dem Plan stehende Raum wird direkt nach dem Aufstehen angegangen, und zwar dann, wenn mein Hirn noch gar nicht wach genug ist, um Gründe zu finden, warum die Putzerei heute gar nicht prioritär ist.

Klappt tatsächlich gar nicht so schlecht. Gut, der Nachbar von gegenüber hat ein wenig irritiert geschaut, als ich im Nachthemd morgens um 7 mit ner Sprühflasche, Küchenrolle und Lappen aus dem Kinderzimmerfenster hing aber irgendwas ist schließlich immer. Der Nachwuchs hat sich das Prozedere auch schon zu eigen gemacht. Statt mit „guten Morgen Mama“ werde ich seither begrüßt mit „Mama putzen, ich fernsehschauen“.

Man kann es ja mal versuchen! Ich fand „Du hilfst putzen“ die bessere Idee.

Nachdem er sich allerdings mitsamt Windel und Pyjama in den siffigen, gefüllten Putzeimer gestellt hat und freudig „Matschepfütze“ gerufen hat, sollte ich vielleicht ernsthaft überdenken, ob sein Vorschlag nicht doch für alle Beteiligten der bessere ist.

Aber wozu nun das Ganze? Der langfristige Plan ist, eine derartige Routine in das ganze Drumherum zu bekommen, dass es a) immer halbwegs tauglich hier aussieht und b) deutlich mehr Zeit für die Dinge bleibt, die tatsächlich Spaß machen. Bloggen zum Beispiel.

Es wird also geschrubbt. Täglich. Die Vorstellung nämlich, dass einmal pro Woche das Arbeitszimmer Reinigen dazu führt, dass alles Material immer sofort griffbereit steht und auch der Werk- und Schreibtisch unmittelbar einsetzbar sind, erfüllt mich tatsächlich mit sehr großer Vorfreude.

Bis es aber soweit ist, werden wohl noch einige Fahrten zum Wertstoffhof anstehen. Denn weniger ist halt doch oftmals mehr! Da wären wir wieder beim Minimalismus-Jahr 2018…

Wie mein Putzplan nun aussieht, erzähl ich euch die Tage, das würde den Rahmen für heute sprengen.

Liebe Grüße
Nadine

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