Ziemlich genau drei Wochen sind es jetzt her, dass ich mit meiner Mehr Als Genug Challenge begonnen habe.

Ein komplettes Jahr lang möchte ich nur noch Dinge kaufen, die entweder Verbrauchsmaterial sind, Lebensmittel etc. oder aber die Sachen ersetzen, die kaputt gegangen sind.

Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, weniger Geld auszugeben, obwohl das zugegebenermaßen ein willkommener Nebeneffekt ist, vielmehr möchte ich weg von dem Irrglauben, dass mehr Zeug einen glücklicher macht.

Klar, neue Dinge sind toll, keine Frage. Und in Zeiten von Pinterest, Instagram und Facebook werden sie uns leichter denn je unter die Nase gehalten. Die Verlockung, in Joggingbuchse vom Sofa aus den „jetzt kaufen“ Knopf zu drücken, während im Hintergrund der Tatort düdelt ist enorm. Die Hemmschwelle auf diese Art Geld auszugeben ist wesentlich geringer, als wenn ich erst Bargeld holen, in die Stadt fahren und mich durch den Einzelhandeldschungel wühlen muss.

Und genau da liegt für mich der Knackpunkt. Alles wird immer schneller, vergänglicher und unwichtiger. Impulskaufen dominiert. Aber abgesehen davon, dass der Schrutz immer mehr und der Platz immer weniger wird, hat es für mich keinerlei positiver Nebeneffekt.

Wirklich aufgefallen ist es mir, als nach Weihnachten der DHL Mann klingelte und mir drei Pakete in die Hand gedrückt hat. Nicht mal anhand der Absender konnte ich mich erinnern, was ich denn überhaupt bestellt habe!

Wie wichtig oder wertvoll kann einem ein Gegenstand sein, wenn man sich bei ausnahmsweise mal mehr als 3 Tagen Lieferzeit nicht mal mehr erinnert, ihn bestellt zu haben?!

Genau: gar nicht. Es war ein typischer Fall von „gesehen – will haben – gekauft“. Davon möchte ich weg.

Die Gegenstände in meinem Leben sollen wieder Bedeutung bekommen. Sie sollen nicht mehr in der Masse untergehen und ungeliebt, vergessen im hintersten Ecke des Schrankes ein einsames Leben Fristen. Zudem sollen gemeinsame Aktivitäten einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Zeit miteinander und weniger nebeneinander verbringen. Das, was man hat, wieder vermehrt zu schätzen lernen, statt sich von sozialen Medien vorgaukeln zu lassen, dass das Leben nur schön ist, wenn alles neu, glänzend und in Seidenpapier verpackt daher kommt.

Natürlich ist mir bewusst, dass das im Widerspruch dessen steht, dass ich selbst einen Pinterest, Instagram und Facebook Kanal habe, auf denen ich schöne Dinge zeige. Ich möchte auch nicht weg von jeglichem Konsumverhalten, ich möchte es lediglich verringern und die bereits vorhandenen Sachen darüber wieder mehr wertschätzen.

Weniger ist mehr, denn wir haben eh schon mehr als genug. Soviel mehr, dass primär erst mal raus statt reingeschafft werden muss.

Wie sahen die ersten drei Wochen also nun aus?

Nun, sagen wir mal so, der Januar ist ein Testmonat und das Jahr fängt erst im Februar an…

Nein, ganz so schlimm ist es natürlich nicht, aber ich bin tatsächlich schon schwach geworden. Wobei ich noch definieren muss, ob es tatsächlich unter „schwach werden“ gefallen ist. Es ist halt nämlich so, dass wir Nachwuchs haben und der wächst.

Er wächst schnell und er wächst viel. Und selbst wenn wir jede Menge Kinderkleidung geerbt haben, so ist in der Erbmasse doch so manches nicht in passender Größe vorhanden. Es mussten z.B. neue Bodies her, und neue Hausschuhe und Hosen stehen auch schon wieder an. Außerdem weiß ich nicht, ob moderne Schnuller einfach von miserabler Qualität sind oder ob unser Kind eine besondere Begabung zum Durchnagen hat. Auf jeden Fall sind sie schneller eingerissen, als ich nachbestellen kann.

Und unter was fallen Bücher? Darf man an Kinderbüchern sparen? Sicherlich haben wir auch davon schon mehr als genug, aber es sind Bücher! Sozusagen Bildung auf Papier.

Der Punkt ist also noch nicht final geklärt. Zudem werde ich nächste Woche 40.

Was ist also mit Geschenken? Fallen die auch unter „nichts Neues soll einziehen, wenn es nicht etwas kaputtes ersetzt“? Ich habe jetzt mal beschlossen, dass nein. Nicht, weil ich schon im ersten Monat schwach werde, sondern weil es bei Geschenken einfach um etwas anderes geht, als das schnelle Verlangen zu befriedigen.

Ein weiterer spannender Punkt werden Spielsachen werden. An sich haben wir aktuell davon auch mehr als genug. Bleibt abzuwarten, wie sehr sie im Verlauf des Jahres noch altersgemäß sind. Wobei sich das Bedürfnis danach mit Frühlingsanfang auch weder etwas legen sollte. Sobald Wald, Spielplatz und Garten nicht mehr ein einziges Sumpfloch sind, geht es nämlich wieder raus.

Ist es mir also bislang schwer gefallen? Nicht wirklich. Dadurch, dass ich „Geschäftsmaterial“ aus der Nummer ausgegliedert habe, habe ich auch weiterhin noch Päckchen zum Öffnen und schöne Stempel, Papier und Stanzen über die ich mich besonders freuen kann, auch komme ich nicht in die Verlegenheit, den DHL Mann zu vermissen, insofern ist alles im grünen Bereich.

Wobei ich der Fairness halber zugeben muss, dass ich mich auch beim Kauf neuer Bastelmaterialien auf das nötigste beschränke. Natürlich muss ich neue Sachen da haben, mit denen ich meine Workshops gestalten und den Blog pflegen kann, aber auch da werde ich in diesem Jahr ganz genau überlegen, was ich als unverzichtbar einstufe und was unter blankes „will haben“ fällt.

Es bleibt also spannend. Die größte Herausforderung ist bislang, Ordnung zu schaffen und auszumisten, denn auch wenn ich beim mich Trennen schon deutlich souveräner und rigoroser geworden bin: 40 Jahre Sammler und Jäger sind 40 Jahre Sammler und Jäger, da wird innerhalb von 3 Wochen kein Profi-Minimalist draus.

Wie sich das Ganze weiterhin auf uns, die Laune und den Geldbeutel auswirkt? Ich halte euch auf dem Laufenden. Unter #mehralsgenug2018 werde ich versuchen, bei Instagram immer mal wieder kurze Updates zu geben. Falls ihr euch der Challenge anschließen möchtet, nutzt gerne den Hashtag oder tagged mich mit @zuhauseundich, dann kann ich eure Beiträge nämlich auch finden.

Viele Grüße

Nadine