Am fünften eines jeden Monats stellt Luziapimpinella fünf Fragen an sich und an jeden Blogger, der mitmachen möchte. Ich will, also gehen wir die Sache mal wieder an:

1. Bist du morgens nach dem Aufwachen gleich richtig munter?

Ja. Allerdings nicht aus freien Stücken und munter ist vielleicht auch der falsche Ausdruck. Hellwach trifft es eher.

Ich sollte dazu sagen, dass ich per se eine Nachteule bin. Während ich als Kind zwar noch jeden Abend Punkt 20 Uhr vor meiner Kinderzimmertür stand und gewartet habe, dass endlich jemand kommt, der groß genug ist, um mir die Zimmertür zu öffnen, damit ich schlafen gehen kann, änderte sich der Schlafrhythmus mit Erhalt des ersten Fernsehers enorm.

Später haben dann Discos, Clubs und mehrere Jahre Arbeitszeiten von 16 bis 23 Uhr ihr Übriges getan, so dass meine biologische Uhr tendenziell eher so auf 2 Uhr schlafen gehen gepolt ist.

Und dann kam der Nachwuchs. Das tollste, süßeste und liebste Kind auf Erden. Nur schlaftechnisch bewegten wir uns eher auf sadistischem Terrain. Um es mal in Zahlen zu fassen: das längste, das ich in den ersten 11 Monaten am Stück geschlafen habe, waren 90 Minuten.

Ich rede nicht lange drum rum: schlaftechnisch hat mich dieses süßeste aller süßen Wesen gebrochen! Voll und ganz gebrochen.

Von „nein, ein Kind gehört in sein Bett und gut ist“ waren wir innerhalb weniger Wochen bei „ja Himmel Herr, dann bleib halt in der Besucherritze aber lass mich um alles in der Welt eine Stunde schlafen, ich kann nicht mehr“.

Nunja, was soll ich sagen, da liegt er halt jetzt immer noch 99,9% der Zeit, wenn ich morgens aufwache.

Jetzt gibt es genau zwei Szenarien, wie Aufwachen mit einem Zweijährigen in der Besucherritze von Statten gehen kann:

a) er wird vor dir wach und die einzige Möglichkeit, umherfliegenden Armen, Beinen, Kopfnüssen und Pieksefingern unverletzt zu entkommen, sind Reflexe bei denen der Flash vor Neid erblasst, oder aber

b) er wird nicht vor dir wach und mit jeder Minute längeren Schlafens weißt du, dass du einer schlafsackinternen Windelexplosion gefährlich nahe kommst und die einzige Chance, die du hast, dich, ihn, und das Bett trocken aus der Nummer raus zu kriegen, genau die gleichen Reflexe sind, wie die unter Punkt A genannten.

Summasummarum, ich bin nicht munter, aber hellwach.

2. Würdest du gern in die Zukunft blicken können?

Nicht im Ansatz, denn letztlich wäre das auch eher obsolet. Denn, siehst du was, das dir nicht passt, wirst du zurück im Jetzt alles daran setzen, es zu verhindern und damit die Zukunft eh neu schreiben. Siehst du aber etwas, das dir passt, strengst du dich eventuell nicht mehr an und änderst damit den Verlauf der Dinge möglicherweise auch. Ich denke, alles passiert aus einem Grund. Was der Grund ist, erschließt sich einem vielleicht erst irgendwann mal, vielleicht auch nie. Vielleicht ist der Grund auch äußerst makaber und Gott oder wer auch immer eine alte garstige Frau. Ich möchte mich aber tatsächlich lieber überraschen lassen, was dieses Leben für mich noch zu bieten hat, statt genau zu wissen, wo die Reise möglicherweise hingeht.

Und nur mal so am Rande: der Fluxkompensators läuft unter Windows 1 und DAS ist mir für Zeitreisen eindeutig zu heikel.

3. Bist du gern allein?

Diese Frage entzieht sich meines Kenntnisstandes. Habe ich erwähnt, dass ein zweijähriger in diesem Haushalt wohnt und ich nicht mehr sicher bin, ob es den Zustand „allein sein“ überhaupt gibt oder er nur fiktionales Wunschdenken ist? Und ja das ist doppelt gemoppelt, um die Tragik dieser Aussage zu verdeutlichen.

4. Traust du dich, als Erste auf die Tanzfläche zu gehen?

Ich würde mal sagen, das kommt sehr auf die Musik, meine Laune und die Umgebung an. Aber irgendwer muss sich ja zum Honk machen, um die Stimmung anzuheizen und da ich eh ohne Filter und ziemlich geringer Hemmschwelle zur Welt kam, würde es mir nicht sonderlich schwer fallen.

5. Was war bisher die spontanste Aktion deines Lebens?

Muss ich jetzt das erste antworten, das mir zu dieser Frage in den Kopf schoss? Da wäre nämlich ein blauer Polo involviert gewesen, ziemlich viele km Autobahn, beschlagene Fensterscheiben und ein abgebrochener Getränkehalter. Der Rest dieser Geschichte fällt leider nicht unter FSK0 und bleibt daher diesem Beitrag fern. Wer es dennoch erfahren möchte, muss mich wohl leider mal zum Grillen einladen…denn kein Filter und so.

Die aber wohl irrsinnigste Spontanaktion, war mit dem besten Mann von Welt abends noch gemütlich an nix denkend eine Runde um den Block spazieren zu gehen, zu sehen, wie ein Sparkassenmann ein Schild an ein Haus hing und 14 Tage später genauso nichtsahnend beim Notar zu sitzen, um vor Ort festzustellen, dass man da ist, um den Kaufvertrag zu unterschreiben. Frei nach dem Motto, eigentlich wollte ich nur Brötchen holen, ich weiß jetzt auch nicht, wie das mit dem Haus passierte.

Wer mir gerade nicht folgen kann, es war nämlich so: Eigentlich wollten wir nur so langsam mal in eine größere Wohnung ziehen, da die Studentenbutze doch etwas eng war. Unser Ehrgeiz, etwas passendes zu finden, hielt sich aber durchaus in Grenzen, so dass wir bis dahin nur eine einzige Wohnung angeschaut hatten, die uns aber irgendwie nicht so ganz zusagte.

Bei besagtem Spaziergang kamen wir also an einem Haus vorbei. Ich glaube ja nicht so wirklich an Schicksal aber die Sache mit dem Haus finde ich nach wie vor befremdlich.

Eigentlich haben wir nie nach Häusern geschaut. Wozu auch. Aber dieses kleine Häuschen wenige Meter von unserer alten Wohnung entfernt ist mir schon Jahre vorher mal bei einem Spaziergang ins Auge gefallen. Der Mann kann sich zwar nicht mehr dran erinnern, aber ich weiß, dass wir irgendwann mal dran vorbei gelaufen sind und ich gemeint habe, dass man darin auch bestimmt toll wohnen könnte, es sähe ja auch leer aus. Der damals noch beste Freund von Welt nickte nur kurz, klärte mich aber dann auf, dass sich an dem Haus zu viel täte und es sicher nicht leer stünde. (P.S: es stand auch damals schon leer, es scheint also echt auf uns gewartet zu haben.)

Nun gut, da standen wir also jetzt vor genau diesem Haus und sahen das rote Schild, das ganz ganz frisch angebracht worden war: zu verkaufen. Mehr als Jux als sonst was sagte ich noch „du, ich ruf da morgen einfach mal an, ich möchte mal da reinschauen“.

Man muss dazu sagen, dass in unserem Viertel Häuser ausschließlich vererbt oder unter der Hand weitergereicht werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass eins mal so lange leer steht, das sich ein Makler drum kümmern würde, ist eigentlich nicht vorhanden.

Gesagt getan, ich rief also bei den Sparkassenimmobilien an und wir bekamen prompt einen Besichtigungstermin für den nächsten Tag. Vor uns hatte es schon ein Pärchen angeschaut, denen war es aber zu klein und sie wollten es nicht. Ich war begeistert, obwohl ich mir wie bei oben besagter Zeitreise vorkam. Bester Mann von Welt war berechtigterweise eher zögerlich, erstens weil Haus, zweitens weil altes Haus und die Zeit buchstäblich dadrin stehen geblieben war. Egal, kann man was draus machen, dachte ich.

Wir schauten uns also alles an, bedankten uns artig und verließen das Haus wieder. Gekommen sind wir gerade mal bis ans Tor, da hatte ich besten Mann von Welt so zugequatscht, dass wir wieder rein sind und dem Makler zusagten. Völlig planlos, ob wir uns das Ganze überhaupt leisten können, denn mit Kaufen, Sanieren, Krediten etc. hatten wir uns noch niemals nicht auseinandergesetzt. Und sanieren musste man. Dringend. Und zwar komplett. Aber was soll’s. Mein Hintergedanke war „sagen wir erst mal wir nehmen es, gehen dann in Ruhe nach Hause, denken drüber nach und können dann ggfs. immer noch abspringen, Hauptsache als erste mal Ja gesagt.“

Dass das der richtige Impuls war, wurde uns spätestens klar, als unsere neuen Nachbarn uns erzählten, dass  am gleichen Tag noch mindestens 60 Leute nach uns durchgeführt worden sind. Geschnitten Brot könnte nicht begehrter sein als Häuser in unserem Viertel.

Jetzt war es aber so, dass auch nach 2 oder 3 Telefonaten, der Makler uns keine definitive Zugabe gab. Auch nicht auf konkrete Nachfrage. Irgendwie wich er immer aus. In der Zwischenzeit klapperte ich also alle Banken im Umfeld von 60 km ab, denn wer weiß, vielleicht würde es ja tatsächlich klappen und dann müsste man ja zumindest mal den finanziellen Teil geklärt wissen.

Nach einer guten Woche hieß es dann vom Makler „wir treffen uns dann am Freitag beim Notar“. Auch zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Zusage und beschlossen, einfach mal dahinzugehen und zu schauen, was auf uns zukommt. Von Beratungsgespräch, über Auktion über weiß ich noch was schoss uns alles durch den Kopf.

Noch in der gleichen Woche betraten wir also den Warteraum des Notars, wo tatsächlich zwei weitere Paare saßen. Wir waren also sicher, dass es jetzt auf eine Auktion oder irgendeinen Preiskampf hinauslief, denn ehrlich gesagt, war der Preis, der für das Haus veranschlagt war auch nicht das, was man so vom Freundeskreis gehört hatte, was die Häuser sonst so kosten.

Wir wurden also zum Notar reingerufen und erst da in diesem kleinen Zimmerchen klärte es sich: bei den zwei Paaren handelte es sich um die Erbengemeinschaft und wir waren tatsächlich da, um den Kaufvertrag zu besiegeln. Naja, was soll ich sagen…wenn man schon mal da ist…

Wir sind an diesem Freitag Nachmittag also tatsächlich mit einem Haus nach Hause gegangen. Dem Haus, von dem ich Jahre vorher meinte „da könnte man sicherlich auch gut wohnen“.

6 Jahre später kann ich guten Gewissens sagen: ja, kann man!

Macht’s gut.

Nadine