Schon wieder ein Monat um. Heidewitzka, jetzt hat das Jahr schon Halbzeit, dabei hab ich noch das Geböller von Silvester im Ohr.

Aber et is wie et is. Fünf neue Fragen von luziapimpinella, [unbezahlte Werbung wegen Verlinkung und weil irgendwo irgendwer atmet] also auch fünf neue Antworten von mir.

1. Was magst du am Sommer am liebsten

Ich bin Hauttyp Alpina weiß mit Aszendent HEX #FFFFFF. Sonne, Strand und Meer stehen bei mir also Synonym für Autsch, Aua und Hautkrebs, was meine Freude am Sommer generell immer etwas trübt. Nichtsdestrotz finde ich es großartig, nicht erst das Kind und dann mich in 80 Lagen Klamotten werfen zu müssen, bevor man überhaupt auch nur erwägen kann, das Haus zu verlassen. Im Sommer funktioniert das mehr nach dem Motto: Tür auf, raus, ggfs. auch nackig. Also zumindest das Kind. Ich nicht so. Die Nachbarn danken es mir.

Die allgemeine Leichtigkeit und bessere Laune der Menschen um einen rum ist aber wohl das, was ich am meisten am Sommer schätze. Deutschland ist jetzt ja nicht unbedingt das Land der beschwingten Leichtigkeit, aber zumindest im Sommer habe ich das Gefühl, dass das allgemeine Gemosere weniger ist.

Nichtsdestotrotz finde natürlich auch ich Sonne, Strand und Meer großartig. Denn ob ich mir den Sonnenbrand nun am Meer einfange oder in unserem immer noch schattenlosen Garten, ist am Ende gehupft wie gesprungen. Ich bekomme gerade etwas Fernweh.

2. Was an Dir ist typisch deutsch?

Das ist als Zugezogene nicht ganz so leicht zu beantworten, zumal ich solche pauschalen Typisierungen in der Regel nicht so gerne mag. Pflichtbewusst bin ich glaub ich recht arg. Aber  als erstes sei mal gesagt, anderer Pass hin oder her, ich mag Deutschland wirklich sehr, ich lebe extrem gerne hier und habe mich wirklich ab der ersten Sekunde hier sehr wohl gefühlt. Zwei Sachen gibt es allerdings, die sich mir in den fast 20 Jahren, die ich jetzt schon hier lebe, nach wie vor nicht erschließen. Eins davon ist das „ja aber“ Phänomen. Es passiert was richtig geiles, doch statt ausgelassen zu feiern, muss erst mal noch ein Beisatz angehängt werden, der alles wieder relativiert. Die Sonne scheint, ja, aber es ist so warm. Es schneit, ja, aber es ist so matschig. Es blüht, ja aber die vielen Pollen. Und wenn es kein ja aber ist, dann ist es irgend ein anderer Beisatz mit Mimimi oder Empörung. Dinge einfach hinzunehmen, ohne latent moserndes Anhängsel, ist mir in den 20 Jahren tatsächlich eher selten untergekommen.

Jogi Löw wird Weltmeister und denkt über Rücktritt nach „oh Gott, der kann doch nicht aufhören!!!“. Jögi Löw scheidet in der Vorrunde aus, „der hätte nie verlängern dürfen!“

Ich möchte mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, zu behaupten, Deutschland wäre gänzlich spaßbefreit, das stimmt nämlich wirklich nicht, ich komme aber auch nicht umhin festzustellen, dass eine gewisse Verkniffenheit und Missmutigkeit im Trinkwasser zu sein scheint.

Achtung Bildungslametta: wie erklärt man sich sonst, dass das Ministerium für geistliches und Unterrichtsangelegenheiten es 1912 für nötig hielt, das Volkslied „Freut euch des Lebens“ als Pflichtlied für alle Viertklässler in Preußen vorzuschreiben?!

Der zweite Punkt ist die Kindererziehung. Holla jetzt mach ich mich unbeliebt hier. Vielleicht ist es ein neumodisches Phänomen und gar kein länderspezifisches, da es mir aber bisher in dem Ausmaß nur in Deutschland aufgefallen ist, ist es für mich ein deutsches Phänomen. Bislang kannte ich Kindererziehung nach dem Schema „Kind ich liebe dich von Herzen, aber ich bin nicht dein Zirkusäffchen“, klare Regeln, klare Ansagen, und bei nicht dran Halten Zappeduster. Da waren wir in Luxemburg recht einfach gestrickt.

Dann bin ich umgezogen und fand mich plötzlich inmitten erschreckend vieler Zirkusäffchen auf dem Spielplatz wieder. Das Kind plärrt nach Brezel, die Eltern rennen zum Bäcker. Das Kind plärrt, weil Auto runtergefallen, die Eltern sprinten hin und heben es auf. Das Kind plärrt, weil es nicht essen will, was eingepackt wurde, schon werden acht Alternativen präsentiert. Ich für meinen Teil kannte es gar nicht erst, dass überhaupt so viel geplärrt werden kann. Luxemburg ist (oder war es zumindest „zu meiner Zeit“) da eher französisch angehaucht: Sehr viel Freiheiten für die Kinder, aber in von den Eltern abgestecktem Rahmen und das sehr konsequent.

Wann immer ich in Deutschland jemanden drauf ansprach, bekam ich die gleiche Antwort: das sei bedürfnisorientierte Erziehung. Das klingt per se zwar sehr gut, für mich und meinen Migrationshintergrund wirkte vieles davon aber eher wie völlige Selbstaufgabe zu Gunsten kleiner Egomanen. Und das mit Verlaub ist ganz eindeutig weder im Neufeld Ansatz noch in sonstigen beziehungs-. und bedürfnisorientierten Konzepten so gedacht. Dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse aufgeben, um Geschrei zu vermeiden kenne ich zumindest aus keinem Forschungsansatz. An dieser Stelle darf der Zentralrat der empörten Mütter auch gerne in Schnappatmung verfallen. Da es mir aber in keiner Weise zusteht, über irgendwen oder irgendjemandes Erziehungskonzept zu urteilen, bleibt es dabei, dass ich sowas zwar beobachte und eventuell hier niederschreibe, aber ansonsten meinen Teil denke und vor meinen eigenen Haustür fege. Dreckig genug ist es da allemal.

Denn bevor ich nun mit Fackeln aus dem Lang gejagt werde, komme ich zurück zur Frage, was typisch deutsch an mir ist: Ich muss zugeben, dass sich nach fast 20 Jahren gar nicht mal so wenig von den beiden Punkten in mein eigenes Verhalten eingeschlichen hat. Beim nachbarlichen Ratschen über den Zaun, stehe ich inzwischen dem Gemosere der Nachbarschaft in nix nach und auch ich renne zum Bäcker die Brezel holen und schlafe des nächtens auf dem Bettgestell während Monsieur Laufender Meter das Ehebett für sich einnimmt. Ich sehe das allerdings nicht als bedürfnisorientiert, sondern als  „zu müde zum konsequent Sein“ und wisst ihr was: es ist völlig in Ordnung, ganz ohne ja aber!

Bei der Suche nach Bildmaterial zum Thema „typisch deutsch“ fiel mir als erstes „Handtuch auf Liege“ ein. Tja, was soll ich sagen, ich habe ernsthaft drüber nachgedacht, das Bild nochmal nachzustellen, und zwar ohne das wildromantische Geraffel im Hintergrund. Vielleicht bin ich in puncto Zucht und Ordnung inzwischen auch deutscher als gedacht…

3. An welchem Kurs oder Workshop würdest du gern teilnehmen bzw. was würdest du gern mal lernen?

Oh da gibt es mehrere. Erst kürzlich habe ich mir zwei Onlinekurse gegönnt. Einen zum Thema Home-Videos erstellen/bearbeiten und einen über’s Doodeln/Schriften Erstellen. Wenn ich freie Wahl hätte, würde ich gerne die Fotokurse von Annie Leibowitz besuchen oder mal einen richtig guten Kurs zum Thema Studiobeleuchtung und Blitzlicht.

4. Wo bist du deinem Partner zuerst aufgefallen oder er natürlich auch dir?

Das ist ein dunkles Kapitel unserer Beziehung. Wir sind an einem ätzend langweiligen Abend per Zufall in einem Chat aufeinander gestoßen und haben direkt beim ersten Austausch über mehrere Stunden lang hin und her geschrieben. Der Haken daran: Er kann sich nicht mehr dran erinnern! Soviel zu „aufgefallen“. Der Eindruck, den ich hinterlassen habe, war scheinbar gleich null. Skandalös. Geheiratet hab ich ihn paar Jahre später trotzdem.

5. Welcher Cocktail beschreibt dich am besten?

Ich glaube, ich bin mehr so die Schulabschlussbowle. Rot, rund und von allem was drin.

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