Eigentlich sollte der Anfangssatz dieses Beitrages lauten „das Schöne am Hause T. ist der Garten“.

Nun soll man ja aber nicht lügen. Das Schöne am Hause T. ist lediglich die Tatsache, dass es über einen Garten verfügt. Der Garten selbst ist derzeit eher ein Schlachtfeld.

Nach knapp drei Jahren bin ich allerdings meinen Zweitwohnsitz auf dem Spielplatz etwas überdrüssig und so wuchs der Wunsch, die grüne Hölle wenigstens so aufzubereiten, dass der Nachwuchs sich müde spielen kann, ohne dass unmittelbar einer daneben stehen muss und vor allem, ohne dass Muttern einen Fuß vor die Haustür setzen braucht.

Und was ist besser geeignet, um den Bewegungsdrang eines oder mehrerer Kinder auszureizen als ein Trampolin. Ja, ich weiß, es steht inzwischen gefühlt in jedem Garten eins und aus der Luft ähnelt das Landschaftsbild der Nachbarschaft vermutlich dem der Truman Show, aber ich gestehe: das ist mir alles völlig schnurz, so lange das Kind abends nur ausgepowert im Bett liegt und schläft.

Nun ist unser Garten allerdings so ausgerichtet, dass ich von egal wo genau auf die Stelle drauf schaue, wo das Trampolin hinkommen soll. Freude. Den ganzen Tag auf ein Metallgerüst mit Fliegengitter schauen…ich kann mir nichts schöneres vorstellen. Kann ich natürlich doch, deswegen war recht zügig die Idee geboren, keins hinzustellen, sondern eins in den Boden einzulassen.

Das hat aber gleich mehrere Gründe. Trampoline machen Mordsspass sind aber halt verletzungstechnisch nicht ohne. Unser Nachwuchs ist an sich zwar eher vorsichtiger Natur, er hat aber mal mindestens drei Kumpels, die ich ohne weiteres in die Kategorie Kamikazekind einsortieren würde.

Nun hält sich meine Lust, 8 Stunden pro Tag neben einer Sprossenleiter zu stehen und Fliegengitterreißverschlüsse zu öffnen und wieder zu schließen, die Zu- und Abfuhr zu regeln und aufzupassen, dass tatsächlich nie mehr als 3 zeitgleich drauf sind sehr in Grenzen. Ausserdem sind Menschen per se faul, das gilt auch für 2 und 3jährige. Sind die erst mal hochgekraxelt und haben das Netz geschlossen, kommen sie schon allein aus Bequemlichkeit so schnell nicht mehr runter, auch wenn sie vielleicht gar nicht mehr so viel Lust drauf haben oder gern was trinken wollten. Das Resultat: man hat ein 1A drei Meter Kindergefängnis in dem sich, wenn man mal kurz nicht hinschaut 5-10 Kinder tummeln und alle zeitgleich Ellbögen, Knie und sonstiges durch die Luft werfen.

Das möchte ich nicht.

Also kommt das Ding in den Boden, ein Netz bleibt weg und sie können völlig barrierefrei rauf und wieder runter. Das mag den ein oder anderen jetzt auch empören, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein 2jähriger so viel Schwung auf dem Teil bekommt, dass er sich daneben katapultiert ist wesentlich geringer, als dass ihm ein Ellbogen ins Gesicht gerammt wird, weil zu viele zeitgleich im Netz gegangen sind.

Der Platz für das Teil war auch recht schnell gefunden. Praktischerweise haben wir vor gut 6 Jahren im hinteren Bereich des Gartens 10 Bäume fällen lassen und da dieser Streifen eh dringend umgegraben gehörte, bot es sich an, das in einem Wisch zu tun.

Hab ich erwähnt, dass ich Efeu hasse? Und wilde Brombeeren? Ganz ehrlich, das Zeug wurzelt doch bis direkt in die Hölle. Zumindest wird es von dort gespeist. Es ist schier unfassbar, wie viel Efeu und Brombeeren an dieser anstelle wucherten und das obwohl ich – ich gestehe – vor Jahren mal großzügigst mit Round Up drüber gegangen bin, weil es einfach nicht mehr zu beherrschen war.

Im Nachhinein kann ich sagen, ich hätte es mir auch schenken können. Abgesehen davon, dass ich die Brombeeren danach nicht essen konnte/wollte hatte es genau null nachhaltigen Effekt außer viechische Kopfschmerzen am Tag drauf. Ja, kleine Sünden bestraft der Herr sofort, große später.

Viel später. Ziemlich genau Jahre später. Also jetzt.

Dass es kein Spaß würde, das Teilstück umzugraben war uns klar. Dass wir allerdings nach 8 Stunden Durchgraben gerade mal 4 qm geschafft hatten, war vernichtend. Es sollte noch weitere zwei Wochen dauern, bis das Stückchen Erde tatsächlich auch wieder Erde war und nicht mehr ein Konglomerat aus Efeu, Brombeeren, Brennessel und Hagebutten. Dass es aber überhaupt jemals soweit kam, haben wir einzig der tatkräftigen Unterstützung des Freundeskreises zu verdanken. Dem Freundeskreis, der selbst keinen eigenen Garten hat. Vielleicht liegt da das Wunder der Motivation. Während wir selbst nämlich mit Augenzucken und einem gewissen Grad an Kapitulation überwiegend im Weg rumstanden, hatte die gartenlose Unterstützung sichtlich Spaß daran, sich gepflegt auszupowern und tat das dann auch mit einer Energie und einem Durchhaltevermögen, dass unser schlechte Gewissen immer größer wurde. Ich kann gar nicht genug Dankeshymnen singen.

Aber es sollte uns doch nicht ganz so einfach gemacht werden.

Anders als die handelsüblichen Trampoline haben die bodenebenen kein Gerüst. Sie bestehen also lediglich aus einem Rahmen, der circa 20 cm in die Erde eingelassen wird und an dem das Tuch befestigt wird. Das eigentliche Loch gräbt man dann nur zur Mitte hin, also dort, wo das Sprungtuch am tiefsten einsinkt. Zu den Rändern hin, braucht es keine wahnsinnige Tiefe, da das Sprungtuch dort ja durch die Federn eh nicht so tief einsinkt.

Summasummarum lässt sich sagen, dass wir für das Trampolin also lediglich auf einer Fläche von circa 1,20 x 1,20 m eine 80 cm Grube ausheben mussten. Klingt machbar. Bis zu dem Punkt, an dem wir den Spaten dort rein rammten.

Es machte in circa 3 cm Tiefe ein dumpfes Plok und der Spaten drang keinen Millimeter tiefer. Gut, kann ja mal passieren, dass man ne Wurzel trifft, also 20 cm weiter rechts angesetzt.

Plok.

20 cm weiter links.

Plok.

40 cm weiter vor.

Plok.

Egal, wo der Spaten eindrang, nach wenigen Zentimetern war Schluss.

Eine gute halbe Stunde später mit Zuhilfenahme von Schippchen, Handfeger und Kinderarbeit, war das Problem offensichtlich:

Wurzel möchte ich es nicht nennen. Es war ein kompletter Baum! Nach professioneller Fällung inklusive Ausfräsen des Wurzelstocks und 6 Jahren Zeit zum Verrotten taucht ein verdammter Baum just an der Stelle auf, die wir ausheben müssen. 800 qm Grundstück und nur ein einziger Quadratmeter davon muss 80 Zentimeter tief ausgegraben werden. NATÜRLICH befindet sich da ein Baumstamm. Der einzige Baumstamm im übrigen, der auch nach 6 Jahren nicht im Ansatz verrottet ist. Was erwarte ich auch?! Von seinem 9 Kollegen waren nur noch Brösel übrig, aber er, er hielt die Stellung. Hart und unbeirrbar.

Wer war eigentlich noch dieser Murphy und warum ist er so eine Arschkrampe?

Tja, was nun? Das Teil muss raus, egal wie. Erst hatten wir die Idee, ihn auszugraben. Netter Plan in der Theorie, in der Praxis aber eher blöde, da die Wurzeln vermutlich noch bis zum Nachbarsgrundstück ragen. Die nächste Idee war, ihn mit der Kettensäge zu zerlegen, dazu müsste aber erst mal die komplette Erde drum herum weg, damit die Säge nicht in der Erde drauf geht. Dann schwebten noch frei Kärchern, Abfackeln und Bombenfund Vortäuschen im Raum. Vor allem mit letzterem wäre der Rest des Gartens auch zügigst umgegraben gewesen. Ein passendes Objekt hätten wir sogar auch schon vorzeigbar gehabt: ein Wäscheleinenpfosten einbetoniert fürs tausendjährige Reich.

Letztlich entschieden wir uns aber doch für die gute alte Handarbeit.

Unzählige Axt- und Schippchenschläge später (ja, auch die beiden zweijährigen haben sich beteiligt), hatte dann wirklich das letztes Stündchen geschlagen und der Koloss war Geschichte. Seinen Dimensionen sei Dank könnte das hinterlassene Loch sogar schon annähernd groß genug für das Trampolin sein, so dass wenigstens der Aufbau etwas schneller von statten gehen könnte. Vorerst verbleibe ich aber mal beim Konjunktiv, denn wenn ich etwas gelernt habe bei der Sanierung eines 80jährigen Hauses, dann dass der Rattenschwanz allgegenwärtig ist. Es ist niemals die Frage, ob noch was dazwischen kommt, sondern lediglich, wann und in welchem Ausmaß.

Das gewünschte Trampolin in dezentem grau ist im übrigen inzwischen ausverkauft bis Ende Mai. Bleibt die Frage: bestellen wir nun das sofort verfügbare in Augenkrebs-Grün oder warten wir bis das graue wieder lieferbar ist, mit dem Risiko, dass bis dahin Efeu und Brombeeren die Weltherrschaft wieder an sich gerissen haben.

So oder so, müssen wir erst mal noch die Kraterlandschaft wieder etwas ins Lot bringen. Sonst hüpfen die Zwerge demnächst etwas unrund. Langweilig wird und vorerst also mal nicht.

Bis bald

Nadine

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