[Werbung, unbeauftragt und unbezahlt]

Was manchen Frauen die Handtaschen und Schuhe, sind für mich Küchengeräte. Ich komme einfach nicht dran vorbei. Der bloße Besitz macht mich glücklich.

Der Witz daran ist, dass ich nicht im Ansatz gerne koche. Ich backe zwar liebend gern, ich mache auch gerne Desserts, aber richtiges Kochen, so mit Schnibbeln, rohem Fleisch, Fett, heißer Pfanne und so, nee, da kann ich mir wirklich schöneres vorstellen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich kulinarisch gesehen nicht weit weg vom Vorschulkindalter bin. Gib mir Pommes, gib mir Nudeln, Butter und Parmesan, noch ein bisschen Saftschorle dazu und ich bin glücklich.

Umso bescheuerter ist es, dass ich Wochen, ach was Monate um das vermeintliche Wunderteil aus dem Hause Vorwerk herumgeschlichen bin, aber am Ende immer zu dem Fazit kam, dass 1200€ für eine Küchenmaschine nur gerechtfertigt sind, wenn sie auch einkauft, schnibbelt und mir Pancakes ans Bett bringt. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Anfang 2015 tönte Frau T. noch: „im Leben gebe ich keine 1200€ für eine Küchenmaschine aus!!“

Ende 2015 hieß es dann eher.: „was kost‘ die Welt, man lebt nur einmal“ und schwupps zog das Teil hier ein. Düdüm.

Was war passiert? Nun, ich hatte quasi gerade erst entbunden, die Hormonachterbahn strauchelte in alle Richtungen, der Schlafmangel geißelte mich, wie niemals je zuvor, da ist meine Mutter verstorben. Mir ging es nach 6wöchiger Maximalanspannung zwischen Intensivstation und niemals schlafen wollenden Säugling mit Dreimonatskoliken alles andere als gut, und während andere vielleicht um die Häuser zögen, sich betränken oder Antidepressiva einwürfen, zog ich um die Häuser und kaufte Küchengeräte. Genau genommen nur eins, denn das Budget der nächsten 4 Jahre war damit dahin.

Wenige Tage später kam es an, ich packte es aus, wartete aufgeregt, dass der Mann heimkommt. Tat er auch endlich, beäugte das Teil und sprach: „ganz schön viel Geld für ein Teil, das wie ein Pissoir aussieht“.

Ich muss gestehen, die Gratisbeilage machte die Assoziation nicht besser..

Aber nun gut. Drei Jahre ist es also nun schon her, dass wir das Teil unser eigen nennen, reingepieselt hat nach meinem aktuellen Wissensstand bislang niemand und das soll bitte auf Lebzeit auch so bleiben. Drei Jahre sind es also jetzt. Zeit für eine Zwischenbilanz und meine bescheidene Meinung zu dem Teil.

Was kann es denn eigentlich, das vermeintliche Wundergerät aller Wundergeräte?

Wer auf die offizielle Homepage schaut, wird schnell fündig: ganze 12 Funktionen werden beworben. Für mein Verständnis hat‘s zwei: Schreddern und Heizen. Das kann es einwandfrei, keine Frage, aber am Ende ist und bleibt es ein Standmixer mit Heizstab. Zwar durchaus ein sehr starker Standmixer mit Heizstab, aber halt eben ein Standmixer mit Heizstab.

Ich gebe zu, mit gutem Willen hat die Fernbedienung meines 20 Jahre alten Fernsehers auch 10 Funktionen: Funktion 1: schalte auf Programm 1, Funktion 2 : schalte auf Programm 2, Funktion 3: schalte auf… ihr versteht das Prinzip? Insofern hat der TM5 sicherlich auch 12 Funktionen, aber dazu fehlt mir bislang das Vorstellungsvermögen. Für mich hat’s zwei.

1. Heizen.

Ob es nun eine Suppe heizt, die im Bottich drin ist oder Wasser heizt während auf dem Bottich noch ein Lochgitter-Behälter mit Gemüse drin drauf steht, ist für mich ein und dasselbe. Bei Vorwerk heißt das alles allerdings „kann heizen und dämpfen“. Klingt eindeutig besser. Nur…alles, was heizt, kann auch dämpfen. Ein 99 Cent Locheinsatz von der Resterampe und ein Schuss Wasser, los geht’s. Selbst der 9,98 € Camping Kocher der Gebrüder Albrecht könnte das. Braucht man also nicht zwingend.

2. Schreddern.

Das tut es in der Tat fulminant gut. Ob Nüsse, Zucker, Kaffeebohnen, Eiswürfel, es pulverisiert dir wahrlich alles. Das hat dazu geführt, dass die Schwiegermutter einer Freundin ganz stolz berichtete „du brauchst nie wieder Puderzucker kaufen, den kannst du ganz einfach selbst machen!“. Das freut mich in der Tat sehr, ich bin ja ein pragmatischer Mensch, aber ob ich in diesem Leben tatsächlich 2023 Päckchen Südzucker gekauft hätte, um die Anschaffungskosten für den Thermomix zu armortisieren, ich weiß ja nicht…

Nichtsdestotrotz, er kann es und das wirklich gut. Er pulverisiert dir wirklich alles. Allerdings mit einer Geräuschkulisse, dass auch am anderen Ende des Dorfes die Leute wissen, „ah die Teiner macht wieder Puderzucker!“

Dann kann das Teil noch was, das mir bisher von keiner anderen Maschine bekannt ist: es zeigt dir Rezepte direkt am Display an. Ok, dann kann’s halt drei Sachen statt nur zwei.

Das funktioniert über einen Rezeptechip. Einen Basiskochbuchchip gibt es im Set direkt mit dazu, den Rest kann man für Zillionen von Euros dazukaufen. Da ist Vorwerk ja clever, Gelddruckmaschine und so, denn das Guided Cooking ist wirklich eine tolle Sache und ruft den Will Haben Effekt zumindest bei mir lautstark auf den Plan.

Das ganze funktioniert nämlich so: du pappst den magnetischen Chip in seine Halterung am Gerät und kannst dann am Display vom TM5 eins der Rezepte auswählen. Übers Display wirst du dann ganz genau durchgelotst, was du wann in den Topf reinwerfen und auf welcher Stufe rumwirbeln sollst. Kochen für Kochlegastheniker also. Genau mein Ding, kein Denken von Nöten aber trotzdem im Anschluss satt.

Praktisch wäre es noch, wenn das Ding anzeigen würde, welche Schritte du schon in der Zwischenzeit machen kannst, während das Teil noch vor sich hin mixt oder kocht, aber das geht bisher nur per selbst Mit- bzw. Vorausdenken. Ansonsten werden die Schritte nämlich ganz chronologisch nach und nach angezeigt.

Die Motorleistung ist in der Tat beachtlich, dicke Teige schafft es genau so wie Eiswürfel. Dem Sound nach gehen dabei zwar die Stadtwerke kurzzeitig in die Knie, aber bisher ist mal noch nichts explodiert oder verschmort.

Wo wir schon beim Thema Teig sind, Teig machen kann das Teil perfekt. Allein die Tatsache, die Hefe sofort auf 30 Grad aufheizen und auflösen zu können, lässt mich vor Freude strahlen. Es rührt, knetet, lässt gehen…ein Traum.

Und dann kommt der Moment, in dem der Teig aus dem Behälter soll.

Wie drücke ich es jetzt galant aus? Meine Mutter würde sagen „geplagt ist auch gelebt“, um mal wieder auf luxemburgische Redewendungen zurückzukommen, die auf Deutsch allenfalls bedingt Sinn ergeben.

Es ist einfach Mist. Der komplette Teig wickelt sich natürlich um das Schneidemesser und es gibt keinen aber auch wirklich überhaupt keinen Trick, wie man den Teig halbwegs gut aus dem Behälter und vor allem vom Messer abbekommt, ohne dass noch Dreiviertel drin kleben. Oder ich kenne ihn einfach nicht. Mein Verschleiß an Ikea Teigschabern ist dramatisch gestiegen und ich bin glückselig, dass wir eine Brause mit ordentlich Druck am Küchenwasserhahn haben, um das Messer anschließend einfach zu pseudokärchern.

Wenn man den Inhalt denn mal raus hat, ist die Reinigung denkbar einfach: Spülmaschine auf, Mixtopf rein, Spülmaschine zu. Der ein oder anderen Beraterin bleibt vielleicht gerade das Herz stehen, aber ich werfe selbst das Messer mit in den Geschirrspüler. Da scheiden sich die Geister, die einen sagen darf man, die anderen sagen bloß nicht. Ich tu’s und es hat in knapp 3 Jahren noch keinen Schaden angerichtet.

In puncto Rezepte ist mir bislang folgendes aufgefallen: Erstens, gesalzen wird in den Rezepten prinzipiell eher nach der Maßgabe von herzkranken Diabetikern mit Bluthochdruck und Reizmagen. Zweitens, quasi alle Quicheteige ähneln von der Konsistenz her denen, die der Sohn auf dem Spielplatz mit Matschesand backt. Aber da greife ich dann halt auf die eigenen Teigrezepte zurück.

Davon abgesehen: Suppe, Risotto und alles aus dem Dampfgarer wird super und schmeckt einwandfrei, auch das Weihnachtsmenü mit Rehrücken an Rahmpolenta und Rosenkohl war grandios. Man kann also wirklich, tatsächlich, beileiben damit kochen. Und das gut, lecker und vielfältig.

Was man allerdings im Vorfeld noch wissen sollte: das Teil hat eine integrierte Waage. An sich eine super Geschichte. Wäre die Waage nicht mordsempfindlich. Und zwar sind die Sensoren unmittelbar unter den Füßchen vom TM angebracht. Macht Sinn zum Wiegen, ist aber im alltäglichen Gebraucht eher Mist. Denn unweigerlich wird das Teil bewegt. Man zieht es nach vorn, man schiebt es wieder hinter, man wischt drunter und und und. Das finden die Sensoren gelinde gesagt großen Dreck. Und zwar so Dreck, dass es ein wie ich inzwischen erfahren habe ein sehr gängiges Problem ist, dass die Waage einfach irgendwann nur noch wild hin und her springt oder auch gar nicht mehr wiegt. Also am besten das Teil einmal auf einer Matte oder Platte abstellen und im Anschluss nur noch die Matte/Platte schieben, um die Füßchen zu schonen. Sollte bei einem so teuren Teil nicht der Fall sein, war es bei uns aber. Aus welchen Gründen auch immer hat sich unsere Waage wieder selbst berappelt, aber geärgert haben mich die zwischenzeitlichen Ausfälle doch sehr.

Mein Fazit von der ganzen Sache also:

Ist es eine Zeitersparnis? Ich finde nicht. Denn die Vorstellung von „ich werfe alles rein, drücke den Knopf und das Teil macht“ ist bei 98% der Rezepte Wunschdenken. In der Regel muss man dabei bleiben, da man je nach Rezept, genau wie bei analogem Kochen auch, alle paar Minuten mal was reinwerfen, rausholen oder umschichten muss.

Ist es eine Erleichterung? In Teilen schon. Wir besitzen zwar auch einen richtigen, festeingebauten Kombi Dampfgar-Backofen, aber um mal eben ein paar Möhren zu dämpfen, ist mir der Thermomix allemal lieber.

Würde ich ihn noch ein zweites Mal kaufen? Ja, aber ich habe eine Küchengerätesuchtproblematik und bin deswegen nur bedingt ein Maßstab.

Ist er das Geld wert? Im Leben nicht.

Würde ich ihn trotzdem nochmal kaufen? Absolut.

Denn auch wenn das Teil rein gar nichts kann, was man auf herkömmlichen Wege mit Topf, Mixer und/oder Pürierstab nicht auch hinbekäme, geht das Zubereiten von so manchem deutlich angenehmer von der Hand. Letztlich ist es mit Küchenmaschinen ähnlich wie mit Autos: ein Dacia bringt dich auch von A nach B, der Weg dorthin ist in einem Cayenne dennoch geschmeidiger.

Und nun entschuldigt mich, ich bin mal wieder Zucker schreddern. Jetzt also nur noch 2022 mal.

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