Wie sehr habe ich es mir immer gewünscht, einen Garten direkt am Haus zu haben!

Aufgewachsen bin ich in einer überschaubaren Wohnung in der Vorstadt von Luxemburg. Die Wohnung war super, ich hatte ein eigenes Zimmer, es gab einen Keller, eine Garage, Balkon vorne, Balkon hinten und einen Spielplatz mit Fußballplatz direkt hinterm Haus. Zudem gehörten die Wohnblöcke damals als sie gebaut wurden zu einem sozialen Förderprogramm und die Wohneinheiten wurden vorrangig an Familien mit Kindern verkauft. Das bedeutete für mich: ich bin aufgewachsen in einer Nachbarschaft mit 20 mehr oder minder gleichaltrigen Kindern. Es war ein Traum!

Was es aber nicht gab, war ein Garten. Meine Eltern hatten zwar eine kleine Parzelle gemietet, die befand sich aber am anderen Ende des Dorfes in einer Kleingartenanlage und war somit für mich erst im fortgeschrittenen Fahrradalter zu erreichen. Um mal eben ein paar Erdbeeren oder einen Salat zu ernten, war die Distanz allerdings einfach zu groß.

Von den Großeltern her kannte ich aber den Garten direkt hinterm Haus und fand das damals schon so unfassbar toll, dass ich sowas unbedingt selbst auch haben wollte. Der Traum sollte wahr werden!!

Ich könnte immer noch vor Freude  quieken.

Was mir in meiner kindlichen Denke allerdings nie in den Sinn gekommen ist, ist, wie unfassbar viel Arbeit es ist, bis das grüne Paradies hinterm Haus ein genau solches ist…

Das Haus gehörte vor uns einer alleinstehenden alten Dame, die trotz betagten Alters recht viel Wert auf ein gepflegtes Grundstück legte. Alles war sauber, pflegeleicht angelegt, nicht unbedingt unser Geschmack, aber ordentlich und gepflegt.

Und dann kamen wir.

Bzw. dann kam Pavel.

Pavel Pipovic und Stanislav Popow mögen dem ein oder anderen schon von meinem anderen Blog bekannt sein. Stanislaw Popow, seines Zeichens kasachischer Bauarbeiter der Firma, die unseren Anbau ans Haus gesetzt hat, war in seinem früheren Leben in Kasachstan vermutlich Ingenieur jetzt aber mangels Deutschkenntnissen primär Baggerfahrer und Polier.

Pavel hingegen ist Baggerfahrer. In diesem Leben, im letzten Leben und in allen zukünftigen Leben auch. Und zwar ausschließlich Baggerfahrer. Ich bin geneigt zu sagen „und das ist auch gut so“, bin mir aber ziemlich sicher, dass die Haftpflichtversicherung seines Chefs dies anders sieht.

Was Pavel mit seinem Bagger platt machen kann, macht er platt. Auch die Sachen, die nicht platt zu machen sind. Das Telefonkabel, der Apfelbaum, die Kabeltrommel, die Poolpumpe…

Und da Pavel arbeitet wie abgerissen, keinerlei Pause macht und allem Wind und Wetter strotzt, schafft er in 8 Stunden jede Menge.

Auch 6 Jahre später bekomme ich noch nervöses Augenzucken…

Pavel und Stanislaw sind also nun schon ein paar Jahre nicht mehr hier gewesen, wenn ich aber durchs Fenster schaue, könnte es auch erst gestern gewesen sein. Was vorher mal ein durchdachter und professionell angelegter Garten war, glich nach Fertigstellung des Anbaus und der Terrasse eher einer Stockcar Übungsstrecke. Der Rasen ist so ebenmäßig wie ein Tretminengebiet, die Wegplatten und Pflastersteine bilden eher v-förmige Gebilde statt einer geschlossenen Fläche und kein Stückchen Garten wurde nicht mindestens 8 mal mit den Baggerketten derart verdichtet, dass man es nur noch unter Einsatz seines Lebebs jemals wieder umgegraben bekommt.

Am meisten werden uns aber wohl die Randsteine aus Beton beschäftigen. Davon haben wir geschätzte 150 laufende Meter. Eine Platte ist 50 * 100 cm groß und wiegt etwa 25 kg. Und weil 25 kg, die beidseits ca. 45 cm in die Erde eingegraben sind ja drohen unmittelbar umzufallen, sind sie auch noch einbetoniert.

Pavel wäre aber nicht Pavel, wenn er nicht auch die Randplatten platt gemacht hätte. Einige davon sind unter den Baggerketten bodennah abgebrochen, so dass man sie erst mal komplett freilegen muss, bevor man sie überhaupt anfassen kann.

Warum wir nicht einen Landschaftsgärtner beauftragen, um das Elend in den Griff zu kriegen fragt ihr? Nun, die Idee hatte ich auch. Der günstigste Kostenvoranschlag lag bei 38.000 € der teuerste bei 46.000 €. Nicht, dass wir sizilianischen Marmor mit japanischen Edelpflanzen und einem Zaun aus Gold gewollt hätten. Der Auftrag lautete: alles raus, einmal ebnen, Rasen druff! 46.000 €!

Ganz ehrlich, für 46.000 € grabe ich den Garten eigenhändig mit einer Kuchengabel um!

Genauso fühlt es sich Moment auch an. Man gräbt und gräbt und gräbt, schaut drüber und stellt fest: man hat nach gefühlten 6 Stunden ganze 20 Quadratzentimeter sauber. Bis man also die ersten 5 qm fertig hat, ist es vorne schon wieder zugewachsen. Dummerweise standen im hinteren Teil des Gartens auch noch Unmengen morscher Bäume. Die ließen wir zwar recht zügig fällen, was aber übrig blieb, war ein Konglomerat aus alten Wurzeln, Efeu und sonstiger Wucherungen. Beste Voraussetzungen also, um zügig voran zu kommen.

Aber mei, lieber dauert es ein paar Jahre bis wir fertig sind und fahren mit der Familie für das Geld 2-4 Monate in Urlaub, als dass ich 50.000 € in Rasen stecke. Dem Zwerg und seinen Kumpels wird es nämlich auch herzlich egal sein, ob sie englischen Zierrasen oder die Discounter-Spielrasenmischung beim Fußballspielen wegpflügen.

So sieht im folgenden der Plan aus:

  • alles muss raus
  • alles muss platt (vielleicht sollte ich Pavel doch nochmal reaktiveren…)
  • Gartenhaus & Gewächshaus
  • Spielecke für den Zwerg
  • Inground Trampolin
  • Gemüsegarten mit Hochbeeten für Muttern
  • Rasen für Vattern und Kind

Wunschdenken wären dann noch ein Atelier als Kreativreich zum Fotografieren, Workshops Abhalten und „außer Haus sein“ und ein Pool. Wenn ich mir die Liste so anschaue, erschleicht sich mir der Gedanke, dass der Pool das realisierbarste ist, denn bis wir die Punkte auf der Liste abgearbeitet haben, ist der Zwerg so alt, dass das Trampolin entweder hin ist oder aber nicht mehr cool ist. Und wenn man dann eh schon so ein großes Loch im Garten hat…

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Nadine

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