Ich bin ein Winterkind. Sowohl gefühlt als auch tatsächlich. Ich kann mit Temperaturen über 25 Grad nicht umgehen und bekomme Sonnenbrand von Urlaubsbildern auf Instagram. Also ist Winter an sich genau meine Jahreszeit!

Nun begibt es sich allerdings so, dass in meinen heimischen Sphären des Saarlandes Winter kein Winter ist, sondern eher so Allerheiligen. Dauerhaft. 5 Monate lang durchgehend Allerheiligen. Also Nieselfiesel, grau in grau und alle um einen rum mit einer Laune, als hätten sie gerade auf dem Friedhof erfahren, dass Tante Liese ihr Vermächtnis dem Tierheim überlies.

Keine Ablenkung auf dem Spielplatz, kein Schnack über den Gartenzaun und sämtliche Kinderaktivitätsmöglichkeiten von Magen-Darm, Streptokokken, Hand/Mund-Fuß, Rotznasen und Bindehautentzündungen überschattet. Sagen wir wie es ist: als Mutter eines Kleinkindes ohne Betreuungsplatz bist du spätestens zu Mitte November mit solchen Wintern durch.

Spätestens um 11:30 Uhr ist man mit allen Spielen, Liedern und Büchern durch. Und dann wird so ein Tag zäh. Denn was man in diesem Szenario vielleicht nicht bedenkt: Kleinkindjungs, die nicht in die Kita gehen, sich aber auch nicht auf dem Spielplatz austoben können, verzichten liebend gern auf den Mittagsschlaf.

The Horror!

„Nun hab dich nicht so, zieh ihn halt an und geh mit ihn raus?!“ möchte man mir an dieser Stelle um die Ohren werfen. Ja, mache ich, aber jeden Tag feststellen zu müssen, dass man selbst sich den Poppes und die Füße im nasskaltem Nieselfiesel abfriert, nur damit der Zweijährige im Sekundentakt völlig enttäuscht wiederholen kann „Mama, keine Kinder da!“ trägt nicht unbedingt zur größtmöglichen Motivation bei, sich oder das Kind überhaupt erst aus dem Schlafanzug zu schälen. Es mussten also Indoor-Aktivitäten her.

In unserem Fall Reis. Viel Reis.

Reiskiste Sensory Bin

Ein kurzer Besuch im Baumarkt brachte eine ausreichend große Plastikkiste mitsamt Deckel hervor und Aldi Süd sorgte für den Reis. 5 Kilo insgesamt.

Nun gibt es genügend Webseiten, die den pädagogisch-didaktischen Mehrwert von sogenannten Sensory Bins, also Kisten mit beliebigem Füllmaterial bis ins kleinste Detail ausleuchten, ich gestehe aber an dieser Stelle, ich bin keine davon.

Reiskiste Sensory Bin

Mag sein, dass es für die Sensorik einzigartig ist. Mag sein, dass es die Entwicklung des Kindes fördert, mag selbst sein, dass das räumliche Denken durch Umschütten von einem in das nächste Behältnis geschult wird, mag alles sein…könnte mir aber zugegebenermaßen egaler nicht sein. Denn selbst wenn es völlig stupide ohne jeglichen Mehrwert wäre, liebt das Kind seine Kiste heiß und innig und ich kann tatsächlich auch mal 15, 20 Minuten was erledigen, ohne mitspielen zu müssen. Mehrfach pro Tag! Ihr könnt meine Glückseligkeit nicht erahnen!

Ich gestehe, inzwischen liebe ich die Reiskiste mindestens genauso sehr wie der Sohn. Es ist eine großartige Beschäftigung! Denn didaktisch und pädagogisch hin oder her, alles, was ein wenig Freiraum schafft und mich davon abhält, nach verweigertem Mittagsschlaf überzuschnappen, ist mit Geld nicht zu bezahlen.

Knete und kinetischer Sand sind zwar durchaus auch beliebte Zeitvertreibe, aber der Reis übt eine magische Anziehungskraft aus.

Bevor die Frage aufkommt, JA, der Reis ist danach überall. Und ich meine wirklich ÜBERALL. Wir sind allerdings mit Fliesenfußboden und Fußbodenheizung gesegnet, so dass der Zwerg problemlos auf den Fliesen sitzen kann und ich danach nur Fegen brauch. Eltern mit Hochflorteppich im Wohnzimmer würde ich eher raten eine große, sehr sehr große Decke unterzulegen. Alles in allem ist die Sauerei weniger als wenn es Mittags Spaghetti mit Tomatensoße gibt. Es ist also sozusagen eine Win-Win Situation. Kind hat Spaß und ich paar Minuten frei. Der Traum aller Mütter!

Je nach Kind muss man vielleicht am Anfang wirklich ein wenig daneben sitzen bleiben, bis es verstanden hat, dass dieser Reis nicht zum Essen ist und auch in der Kiste bleiben soll, aber zumindest bei 2-jährigen aufwärts dürfte das nach ein paar Tagen kein Thema mehr sein.

Was ihr dazu braucht:

  • Eine große Plastkkiste, bestenfalls mit Deckel (hier Rotho Box 30744/65 l aus dem Baumarkt)
  • ca. 4-5 kg Reis
  • diverse Behälter, wie Marmeladentricher (hier von Aldi), Schaufeln, leere Joghurtbecher, Flaschen, Fahrzeuge (am besten ohne größere Holräume)
  • bei Teppichboden eine große Decke zum unterlegen

Ich kann die Nachahmung also guten Gewissens empfehlen. Mir verkürzt es die Regentage ungemein.

Viele Grüße

Nadine