Habe ich erwähnt, dass es circa 3 Millionen Dinge gibt, die ich lieber täte aus Haushalt? Wurzelbehandlung und Kind kriegen wären nur zwei davon. Genau genommen täte ich quasi alles auf dieser Welt lieber als putzen und aufräumen und alles sauber zu halten. Aber da mich das Leben in einem konstanten Dreckloch ziemlich unausstehlich machen würde, ist genau das einfach regelmäßig fällig. Nun bin ich ja ein pragmatischer Mensch. Was muss, das muss, soll aber bitte nicht mehr Aufwand machen als zwingend nötig. Ich arbeite also konstant an der Verbesserung von Abläufen, damit das leidige Thema schnellstmöglich abgehakt ist und man wieder Zeit für Schöneres hat. Die Grundidee ist, wenn man es schafft täglich ein bisschen was zu machen und die Kleinigkeiten wegzuschaffen, bleibt gar nicht erst so viel liegen, dass es zur Mammutaufgabe wird. Wie sieht also so eine Routine optimalerweise derzeit bei mir aus? Und wieso nur optimalerweise? Nun, weil das Leben einfach das Leben ist und es halt auch einfach mal Tage oder Wochen gibt, an denen rein gar nicht passiert und das Innenleben der 4 Wände dann schneller aussieht wie Dresden ’45 als einem lieb sein kann, aber auch das ist ok. Denn selbst dann hilft es, Gewohnheiten zu haben, um dem Chaos schnellstmöglich wieder Herr zu werden. Außerdem sollen kleine Routinen oder Gewohnheiten dafür sorgen, es auch in stressigen Zeiten gar nicht erst vollkommen entgleisen zu lassen. Folgende Punkte habe ich also meinem eigentlichen Putzplan vorausgestellt:

7 Schritte, um ein Haus langfristig sauber zu halten

1. Alles braucht einen festen Platz

Hat es keinen Platz, suche einen. Findest du keinen, hast du zu viel Zeug also miste aus. Ja, so einfach ist es. Nicht schön, aber einfach. Es sind ja immer die gleichen Dinge, die rumfliegen. Fernbedienungen, Kulis, Schraubenzieher… Und warum fliegen sie rum? Weil es Dinge sind, die häufig gebraucht werden, aber keinen Platz haben, weil Zeug, das nie gebraucht wird die Schubladen und Schränke verstopft. Mein Weg zum Erfolg ist also das Feld von hinten aufzuräumen. Und zwar von ganz hinten. Dem Teil der Schränke, der seit Jahren kein Licht mehr gesehen hat. Ist es da erst mal leerer, findet sich auch ein Stammplatz für Muttis Kreuzschlitzschraubendreher außerhalb des Kellers oder der Garage.

2. Alles geht besser mit Musik und einem Timer

Wie ätzend ist es, in einem vom Kleinkind verwüsteten Wohnzimmer zu stehen und zu wissen, dass man erst mal 40 Minuten aufräumen muss, bevor man auch nur einen Gedanken an Putzen verschwenden kann? Hast du den Raum dann endlich soweit, dass du putzen könntest, ist die Laune schon derart mies, dass das Putzen nicht mehr stattfindet. Also muss Teil eins beschleunigt werden. Am besten so, dass es auch noch Spaß macht. Hier kommen die Kinder ins Spiel (oder eine Flasche Rotwein und der Partner/die beste Freundin). Wer am schnellsten die Duplokiste bis zum Rand gefüllt hat, bekommt ein Schokobon (bzw. Glas Rotwein). Staubsaugen wird plötzlich viel amüsanter, wenn dabei die Augen verbunden sind und die Zwerge dich zum Dreck lotsen müssen. Sie werden den Spaß des Lebens haben… zumindest bis zum Rollenwechsel im Kinderzimmer, aber hey, sie wollen ja immer, dass man mehr Zeit mit Ihnen verbringt..

3. 10 Schritte oder eine halbe Minute mehr und bring es zu Ende

Der Klassiker: Kind will ein Käsebrot, du nimmst die letzte Scheibe aus der Packung, machst das Brot, vier Stunden später liegt die leere Packung immer noch auf dem Küchenblock. Nach 8 Stunden hat sie sich verdreifacht und nach 12 sieht die Küche aus, als wäre eine Horde Wilder durchgeritten. Mit 10 Schritten oder einer halben Minute mehr Aufwand, hätte die Verpackung den Weg in den gelben Sack gefunden und den Kreislauf gar nicht erst angestoßen. Verhütung 2.0 sozusagen: was im gelben Sack steckt, vermehrt sich nicht auf Arbeitsplatten.

4. Wechsle nicht mit leeren Händen den Raum

Du musst aufs Klo? Nimm die Nasentropfen aus dem Wohnzimmer wieder mit zurück ins Bad. Du gehst zum Kühlschrank, nimm das stehengebliebene Glas vom Schreibtisch mit. Zeug muss in die oberste Etage? Stell dir einen Korb auf die Treppe und wenn du hoch gehst, nimm den Korb mit. Ist er mit 10 Schritten oder einer halben Minute ausgeleert, mach es sofort, wenn nicht stelle ihn ab und mach’s mit der Putzerei des OGs. Bestenfalls steht oben auch noch ein Korb mit Dingen, die runter müssen, du gehst also wieder nicht mit leeren Händen runter.

5. Mach es zur Gewohnheit

Alles, was automatisiert abläuft fliegt unterm Schweinehundradar durch. Bevor du nämlich denken kannst „oh da hab ich aber gerade gar keine Lust zu“, hast du es schon erledigt. Es macht also durchaus Sinn, sich für morgens eine feste Routine zu überlegen, die man einfach immer durchzieht. Aufstehen, Duschen, Frühstücken, Zähneputzen sind ja auch Routinen, da kann man auch noch sowas wie „Rumliegendes wegräumen“, „lüften“, „Seifenspender auffüllen“ dazwischen schieben. Und nein, Betten machen ist kein Punkt auf meiner Liste. Denn mit Verlaub, Betten machen ist bähwuäh. Mag sein, dass man dadurch direkt morgens früh ein erstes Erfolgserlebnis hat und glücklich sagen kann „mein Schlafzimmer ist so schön“, aber bei aller Liebe, mich schüttelt es bei dem Gedanken.

Wer ein Problem mit graphischem Inhalt hat, bitte jetzt einfach direkt zu Punkt 6 springen.

Ich sehe die Sache nämlich so: der Mensch verliert pro Nacht im Durchschnitt 1,5 Liter Wasser. Wir liegen in der Regel zu zweit im Bett, wenn man über den Zwerg in der Besucherritze dezent hinweg sieht. Nimm also mal ein schönes großes Badetuch und kippe 3 Liter Wasser drüber. Natürlich hast du davor auch noch ein paar tote Hautschuppen, Salz, Schweiß und Milben reingerührt, es soll ja reale Bedingungen darstellen. Dann hängst du ein zweites Handtuch für ca. 10 Minuten aus dem Fenster und legst es danach schön dicht auf das erste Handtuch, an den Seiten sowie unten eingeschlagen. Danach legst du eine schöne warme Tagesdecke und eine schicke Auswahl an diversen Kissen drauf. Wie groß ist deine Vorfreude, nach 14 Stunden genau diese Decke aufzuschlagen und auf dem feuchtwarmen Konglomerat zwischen den zwei Handtüchern zu schlafen? Ich möchte niemandem zu nahe treten, der Bettenmachen für sich entdeckt hat, aber ich persönlich finde es nicht nur unnütz sondern zudem noch ziemlich eklig. Mein Bett bleibt tatsächlich zum Lüften den kompletten Tag so, wie ich es morgens verlasse und es könnte mir egaler nicht sein. Denn erstens haben in meinem Schlafzimmer andere Menschen eh nix zu suchen, also spielt es keine Rolle, ob es aussieht wie bei Schöner Wohnen oder eher wie bei Hempels und zweitens bin ich echt tierlieb, aber definitiv nicht so sehr, dass ich aktiv sozialen Wohnungsbau im feucht warmen Klima für Milben vorantreiben würde. Mein Bett ist mein Bett und nicht das Kalifornien hungriger Spinnentiere, die nur drauf warten, schön warm zugedeckt zu werden, um sich munter zu vermehren. Also: lüften, lüften und nochmal lüften.

6. Mach‘s dir leicht

Angehender Minimalismus hin oder her, ich habe einen Staubsauger für oben und einen für unten. Ebenso habe ich einen Putzkorb für oben und einen für unten. Denn, wenn ich gerade am Zähneputzen bin, ist es ein leichtes, einmal kurz mit dem Lappen über das Waschbecken oder Spiegel zu fahren, oder kurz durchs Bad zu saugen. Muss ich aber erst mal ins Erdgeschoss, um Lappen, Staubsauger oder sonstigen Kram zu holen, wird es nicht passieren. Das Resultat davon wäre: einmal die Woche am Bad-Putztag bräuchte ich doppelt so lange, um alles wieder sauber zu haben, denn Zahnpastareste sind nach einer Woche einfach eher Beton und Wasserflecken auf dem Hahn nur noch durch Ganzkörpereinsatz zu entfernen. Also gilt auch hier die 10 Sekunden Regel: einfach ans Zähneputzen oder Rasieren noch 10 Sekunden dran hängen und Waschbecken kurz wischen, schon sieht es nach einer Woche nicht aus wie Wutz und der Bad-Putztag erstreckt sich lediglich auf eine Bad-Putz-Halbe-Stunde.

Wie ich zwei Bäder in einer halben Stunde schaffe? Nun, als eher putzfauler Mensch möchte ich es natürlich so schnell wie möglich hinter mir haben. Das geht am einfachsten, wenn ich alles Umherstehene in einen Wäschkorb packe, den Korb in den Flur stelle und dann in einem Rutsch ohne Hindernisse durchputzen kann. Als allererstes sprühe ich aber erst mal Klo und Dusche mit Reiniger ein. Denn warum soll ich unnötig schrubben, wenn Reiniger mit Entkalker die Arbeit für mich durch reine Einwirkzeit auch schon zum Großteil erledigen. Währenddessen putz ich erst mal den Rest nach der Regel von oben nach unten und von links nach rechts. Beides aus rein pragmatischen Gründen: alles was von oben runter fällt, würde saubere Flächen wieder dreckig machen und ich muss nochmal ran. Und von links nach rechts deswegen, damit ich nichts auslasse oder gar doppelt drüber gehe. Danach kommen noch Dusche und Klo dran und erst dann wird gestaubsaugt bzw. gewischt, wenn es denn nötig ist.

7. Wer da wohnt, putzt mit

Zugegebenermaßen bekomme ich Augenzucken, wenn ich von Müttern mit Augenringen bis unters Kinn auf dem Spielplatz höre „naja, ich bin ja zu Hause und er arbeitet, da kann ich nicht von ihm verlangen, dass er auch noch im Haushalt hilft“ . Öhm ja, doch. Das Argument lasse ich nur gelten, wenn von ihm kommt:  „naja, sie ist die ganze Woche mit den Kindern zu Hause, da kann ich nicht von ihr verlangen, sich am Wochenende auch noch um sie zu kümmern.“.

Ich vertrete die einfache Regel: wer da wohnt, putzt mit. Fünf Minuten lang einen Lappen über ein Klo oder ein Waschbecken zu reiben, schafft man auch nach 9 Stunden Höchstanspannung im Job. Ich verspreche: man muss dafür auch überhaupt kein Hirn aufwenden. Einfach nur stupide schrubben. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass das bisweilen sogar meditativ wirken kann. Es.Ist.definitiv zumutbar.

Der Putzplan

Gehen wir also vom optimalen Fall aus, dass jeder im Haus ein wenig mithilft und täglich so Routinesachen wie Geschirrspüler Ausräumen, Zahnpastareste und Bartstoppel aus und ums Waschbecken rum Entfernen  erfolgen, dann bleibt auch genügend Zeit, pro Tag einen Raum gründlicher zu reinigen, und das ganz ohne Gefahr zu laufen, 3 Stunden drin zu versumpfen und den kompletten Tag nichts anderes mehr zu schaffen. Mein Ziel sind maximal 30 Minuten pro Raum und je nachdem, wenn noch Zeit und Lust ist, noch einmal 10-15 Minuten für eine Extraaufgabe wie Schränke Auswischen oder Dunstabzugshaube reinigen, halt so Sachen, die man nicht wöchentlich macht, die aber auch in gewissen Abständen erledigt werden sollen, damit sie nicht einmal im Jahr zur Herkulesaufgabe mutieren. Dazu schreibe ich glaube ich mal einen gesonderten Beitrag, denn um mich an solche exotischeren Sachen erinnern zu lassen, nutze ich eine App.

Wann welcher Raum dran ist, muss jeder für sich entscheiden bzw, nach dem Grundriss seines Hauses planen. Bei uns z.B. macht es keinen Sinn Ess- und Wohnzimmer voneinander zu trennen, da der Raum eh offen ist und ich dann nicht in der Mitte des Raumes aufhöre, um am nächsten Tag den Rest zu machen. Also sind Wohn-/Esszimmer zusammen dran, auch kombiniere ich Küche und Flur. Aber das muss letztlich jeder nach seinen eigenen Gegebenheiten umsetzen, damit man sich nicht doppelt Arbeit macht. Für die Interessierten unter euch, habe ich ein Putzplan Printable erstellt, wie ich das bei uns handhabe. Mit Klick aufs Vorschaubild kommt ihr zur PDF Datei, die ihr euch gerne ausdrucken könnt.

Putzplan Printable

Bei mir sind z.B. Montags die Bäder dran, denn wenn am WE Besuch da war, macht es für mich Sinn, sie nach dem WE zu putzen. Dienstags und Mittwochs habe ich keinerlei Kinderbetreuung, also mach ich da das komplette Erdgeschoss, weil der Zwerg da am besten mithelfen kann. Donnerstags Schlaf- und Kinderzimmer, weil es schnell geht und ich auch keine Kinderbetreuung habe, dafür dann Freitags Arbeitszimmer und Treppe, weil das der Tag ist, wo bester Mann von Welt oftmals früher heim kommt und zudem 2 Stunden Kinderbetreuung extern gesichert sind, So sehr ich das Kind auch liebe, aber beim Treppe Wischen ist ein zweijähriger zwischen den Beinen eher suboptimal.

Wer bis hierher gelesen hat, denkt sich vielleicht „oh Mädel, besorg dir einfach eine Putzfrau“, und ja, ich gebe zu, das wäre verlockend. Aber zum einen ist das eine Ausgabe, die ich mir sparen möchte und zum anderen finde ich es mit Kindern problematisch, ihnen ein Verständnis für Ordnung und Sauberkeit bzw. Selbstdisziplin zu vermitteln, wenn einmal pro Woche Frau Elli für 4 Stunden kommt und während wir auf dem Spielplatz sind, zu Hause wie von Zauberhand plötzlich wieder alles hübsch ist, ohne dass selbst auch nur ein Finger dafür gekrümmt werden musste.

Mein Aha-Erlebnis diesbezüglich hatte ich an der Uni in einem Philoseminar als neben mir zwei Erstsemestler in einen Apfel bissen, ihn im Raum auf den Boden warfen und meine Bitte, ihren Müll bitte vernünftig zu entsorgen, mit den Worten „gibt doch Putzfrauen hier“ abtaten. Ich finde es immer noch sehr sehr schade, dass ich die Reaktion von dem einen nicht sehen konnte, als zuhause in seiner Tasche eine halbe angebissene Banane zum Vorschein kam. Dass die aber auch einfach so in so ne Tasche fällt…tztz…

Ich möchte nicht, dass mein Sohn irgendwann auch mal derart überheblich wird. Ich möchte, dass er ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass sein Dreck sich nicht von allein in Luft auflöst,sondern man dafür was tun muss. Also putzen wir selbst. Zusammen. Als komplette Familie. Das hilft auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und schont nebenbei auch noch den Geldbeutel. Und wer sagt, dass Quality Time mit den Kindern nicht auch beim Putzen stattfinden kann…irgendein Spiel oder Wettlauf kann man ja quasi aus allem machen. Und am Ende bleibt, je schneller es erledigt ist, umso schneller hat man wieder Zeit für Schöneres..

Ich bin sehr gespannt auf eure Routinen und Tipps.

Viele liebe Grüße

Nadine

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